Das Kindlein in der Krippe

In Deutschland fehlen derzeit 220.000 Kitaplätze. Diese Zahl kann man drehen und wenden, wie man will, sie offenbart, dass die Bundesregierung in dieser Frage bisher versagt. Sie lässt außerdem ahnen, was auf Behörden und Kommunen zukommt, wenn ab August 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz besteht. Was also tun, wenn man nicht regierungskritisch sein will, sich aber selbst nicht glauben kann, wenn man die bisherigen “Erfolge” im Kitaausbau schönzureden versucht oder Tagesmütter, Omas und Opas als rettende Lösung präsentieren möchte?

Richtig, man wählt die Taktik “Angriff ist die beste Verteidigung” und behauptet einfach, dass die Betreuung von Kindern in Kitas sowieso eine schlechte, eine ganz schlechte Sache sei. Übel, gemein, bösartig. So zum Beispiel Christine Brinck heute im Tagesspiegel. Und da wird kein rhetorischer Trick ausgelassen: Statt von Betreuung spricht sie davon, Kinder in der Kita “abzulegen”, ja, gar zu “entsorgen”. “Loswerden” wollten Eltern mit Kitaplatzwunsch ihre Kinder, und zwar so schnell wie möglich. Und das, obwohl jeder wisse, wie unglücklich Kinder in der Kita seien. Dass sich dieses “Unglück” nach einer Weile bessere, redeten sich Eltern zur eigenen Beruhigung ein. Und so weiter.

Über diese kleinen sprachlichen Kniffe hinaus wird aber auch thematisch ein kühner Bogen geschlagen: Über den Missbrauch des Begriffes des Kindeswohls (mal wieder). Denn diejenigen, die das Kindeswohl angeblich hochielten, täten dies natürlich nur als Vorwand: Dieser Vorwand solle zum Beispiel dazu dienen, Elternteile nach der Scheidung “bis auf drei Wochenenden im Jahr auszugrenzen” (man fragt sich hier, auf welchen speziellen Einzelfall sich dies beziehen soll – vielleicht auf ein Elternteil im Gefängnis oder der Entzugsklinik, das nur dreimal im Jahr besucht wird? Denn selbst in den eher seltenen Fällen, in denen einem geschiedenen Elternteil das Sorgerecht entzogen wird, gilt normalerweise ein deutlich ausgedehnteres Umgangsrecht). Oder der “Vorwand” des Kindeswohls werde von Beschneidungsgegnern missbraucht, um einen kleinen, nur drei Minuten dauernden Eingriff zu delegitimieren. Wie viel schlimmer dagegen die Praxis, ein Kind in einer Kita betreuen zu lassen! Der Schmerz sei schlimmer, da seelisch, und langanhaltender, da das Geheul beim Abgeben klar länger als fünf Minuten dauere.

Schließlich wird eine Kitabetreuung mit klinischen Versuchen an Kindern gleichgesetzt, die man normalerweise an “Mäusen oder Strauchratten” vornehme. Und selbst die zeigten Stresssymptome, wenn man sie von der Mutter trenne. Inwiefern solche Befunde auf Menschen übertragbar sind, wird nicht diskutiert, leider wird auch die Studie nicht ordentlich zitiert, denn man würde schon gerne genauer lesen, wie das Tierexperiment aussah, in dem junge Strauchratten stundenweise nicht von ihren Müttern, sondern von ausgebildeten Erzieherstrauchratten in speziell dafür entworfenen Strauchrattenkitas betreut wurden. Aber was kümmern an der Stelle solche Kleinigkeiten.

Nun könnte man dieses Schlechtmachen von Kitas als das abhaken, was es ist: Hetze. Aber die Autorin des Artikels macht keine halben Sachen – nicht nur sprachlich-rhetorisch will sie die Betreuung von Kindern in Krippen als unmenschlich und unverantwortlich brandmarken. Nein, sie hat auch wissenschaftliche Studien – durchgeführt an Menschen! – aufgefahren, die angeblich die schädlichen Effekte solch einer Betreuung beweisen. Zitiert wird eine Studie des „National Institute of Child Health & Human Development“ sowie ein auf den in dieser Studie gesammelten Daten aufbauender Forschungsartikel.

Diese Studie hätte “gravierende Verhaltensprobleme insbesondere bei Jungen festgestellt, wenn sie zu viel Zeit in der Krippe verbrachten”, berichtet Brinck zunächst.

Die Ergebnisse zeigen tatsächlich, dass es negative Effekte auf das Verhalten der Kinder gibt, wie es von Erziehern in der Vorschule berichtet wird. Diese negativen Effekte betreffen allerdings nur 16% aller Kinder, die in einer Einrichtung betreut wurden, und sie waren nicht besonders stark. Einige Forscher weisen deshalb darauf hin, dass wegen der geringen Effektstärken keine einfachen Schlussfolgerungen zu ziehen seien. Darüber hinaus unterschieden sich die Gruppen je nach ethnischer Zugehörigkeit: Bei hispanischen Kindern war dieser negative Effekt zum Beispiel nicht vorhanden. Allein dieses Detail lässt daran zweifeln, dass die Ergebnisse der Studie ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen werden können, wo sowohl die Zusammensetzung der Bevölkerung als auch die damit verbundenen kulturellen Unterschiede völlig andere sind. Aber selbst wenn man diese Übertragung großzügig zuließe, bleibt unklar, wie die Autorin von den tatsächlich berichteten Ergebnissen der Studie zu ihrem Fazit kommt. Denn diese liegen doch sehr weit auseinander.

Dass es sich bei den negativen Auswirkungen um “gravierende Verhaltensprobleme” handele, könnte man noch als sehr freie Übersetzung werten, denn tatsächlich ist nur ein kleiner Teil dieses berichteten Problemverhaltens tatsächliche Aggressivität, etwa in Form von “Kämpfen” zwischen den Kindern oder soziale Unangepasstheit. Ein großer Teil der als problematisch eingestuften Verhaltensweisen fallen eher in Kategorien wie “Ungehorsam” oder “Widerspruch” (‘talking back’). Selbst wenn man dies als durchweg negativ klassifizieren möchte – unklar bleibt in der Studie, wie die Autoren dieser auch selber feststellen, inwiefern es sich dabei um Übergangsverhalten handelt, das eben dann auftritt, wenn Kinder sich in neuen und bisher unbekannten sozialen Situationen wiederfinden. Mit anderen Worten, dieses Problemverhalten könnte durchaus auch bei Kindern auftreten, die in ihrer frühen Kindheit zu Hause versorgt wurden – nur eben später, zum Beispiel in der Schule.

Gänzlich unter den Tisch fallen lässt die Autorin des Tagesspiegel-Artikels dagegen den Befund, dass Kinderkrippenkinder klare und eindeutige Vorteile im Bereich der kognitiven Fähigkeiten haben und sowohl in Prä-Lese-Tests als auch in Zahlen- und Raumverständnis besser abschneiden, und zwar über alle sozialen und ethnischen Gruppen hinweg. Der Tagesspiegel behauptet in der Zwischenüberschrift dagegen:

Kognitive Fähigkeiten sind besser, je länger Kinder daheim bleiben

Da die tatsächlichen Ergebnisse der Studie, die im Prinzip das Gegenteil zeigen, offensichtlich nicht so gut ins Bild der schädlichen Kita passen, führt Brinck eine weitere Studie ins Feld, die sich auf Grundlage der schon bekannten Daten mit der Frage befasst, welchen Einfluss genau die Dauer der Kitabetreuung hat. Brinck fasst zusammen, “dass die kognitiven Fähigkeiten am größten sind, wenn die Kinder zwischen zwei und drei in die Krippe kommen”. Auch das stimmt – Überraschung! – so nicht. Tatsächlich ist der Vorteil, den die Krippenkinder gegenüber den Zuhausebleibern haben durchschnittlich am größten, wenn sie mit zwei bis drei Jahren in die Kita kommen, aber einen signifikanten Vorteil haben laut Studie ALLE Kitakinder – bis auf die, die erst mit fünf oder später außerhalb ihres Zuhauses betreut wurden. Das gleiche gilt für den Vergleich der wöchentlichen Betreuungsdauer: Den größten Vorsprung haben Kinder, die zwischen 15 und 30 Stunden pro Woche in der Einrichtung sind, aber auch Kinder, die länger als 30 Stunden betreut werden, schneiden besser ab, nur eben nicht noch besser. Bei Brinck wird daraus folgendes:

Nie mehr als 30 Stunden in der Woche sollten die Kleinkinder jenseits mütterlicher/häuslicher Pflege verbringen, lautete die dringende Empfehlung.

Nicht nur empfehlen die Autoren der letzteren Studie überhaupt nichts, auch diejenigen, die auf Basis der Studie tatsächlich etwas empfehlen, sagen nichts dergleichen. So zum Beispiel Christine M. Todd, Professorin für “Child and Family Development” an der University of Georgia, die Eltern rät, Kinder in möglichst hochqualitativen Einrichtungen betreuen zu lassen und wenn dies nicht möglich sei, selbst für eine möglichst hochwertige Versorgung und Stimulation zu sorgen, notfalls selber eine Ausbildung zu machen bzw. demjenigen, der das Kind versorgt, eine entsprechende Ausbildung zu bezahlen. Denn mit dem Können, der Bildung und Ausbildung der erziehenden Person steht und fällt das Ergebnis der Kindererziehung.

Aber auch so ein Rat passt natürlich nicht zu der intendierten Stoßrichtung des Artikels. Denn nicht nur haben wir in Deutschland nicht genügend Kitas, es fehlt auch und vor allem an qualifizierten Erzieher*innen. Und die Idee, verkürzte Ausbildungen anzubieten, um Arbeitslose zu Erzieher*innen umzuschulen, wird das Problem mittel- und langfristig nicht lösen. Aber gerade das sollte ja vergessen gemacht werden. Oder noch besser: Je weniger verunsicherte Eltern ihr Kind NICHT in der Kita anmelden, desto weniger fehlende Plätze. Und desto kleiner das Versagen der Regierung.

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23 Kommentare

  1. Eva Blonde (@communeva) · · Antwort

    tja, wenn ich die existierenden grossen studien angucke, kann ich dir zustimmen, dass kita an sich im durchschnitt einen positiven effekt auf die entwicklung von kindern hat. allerdings stimmt es auch, dass schlechte kitas echten schaden anrichten koennen, besonders leider fuer die kinder, die auch zu hause keine guten bedingungen haben.
    den qualitativen und den quantitativen ausbau gleichzeitig voranzutreiben, ist schon eine anspruchsvolle aufgabe, das muesste ich der regierung jetzt zumindest zugestehen, und in beiden bereichen bewegt sich viel. was ich angesichts der aktuellen situation aber befuerchte ist, dass die qualitaet erstmal keine so grosse rolle spielt. siehe z.b. diese “verstehen sie kinder – dann werden sie tagesmutter / -vater”-kampagne. das heisst fuer mich uebersetzt: wenn sie kinder moegen, dann sind sie qualifiziert genug. oder die diskussion um “schleckerfrauen” als erzieherinnen. das ist schon ziemlich besorgniserregend.

  2. hmmm..dh im ausland sind eigentlich alle menschen gestört? (ironiemodus aus) … all diese studien sagen doch nur eins: die qualität muss besser werden. gut ausgebildetes und kulturell gebildetes motiviertes personal mit idealismus und freude. aber DAS ist natürlich teuer…

  3. Danke – den Artikel habe ich gestern auch gelesen und mich sehr darüber geärgert, wie die Autorin, eine Erziehungswissenschaftlerin dazu, Dinge durcheinanderschmeisst zu einem unerträglichen Potpourri. Da wird gefragt, warum sich einige über so einen winzigen, nur Sekunden dauernden Eingriff wie die Beschneidung aufregen (als ob die keine Langzeitfolgen hätte und immer ungefährlich wäre!), obendrein mit Scheidungstraumata operiert, und schwupps haben wir einen sehr gefährlichen, weil scheinbar schlüssigen, Text. Ich werde deine Erwiderung bei mir auf twitter retweeten!

    Lieben Gruss, Christine

  4. Ich lese Deinen Blog schon eine ganze Weile und bin immer wieder sehr beeindruckt (und ein bisschen neidisch, weil ich gern auch so flüssig und logisch argumentieren würde!) Allein dieser Satz “man würde schon gerne genauer lesen, wie das Tierexperiment aussah, in dem junge Strauchratten stundenweise nicht von ihren Müttern, sondern von ausgebildeten Erzieherstrauchratten in speziell dafür entworfenen Strauchrattenkitas betreut wurden.” Herrlich.

    Ich habe mehrere Jahre in den USA gearbeitet und dort auch mein erstes Kind bekommen. Entsprechend gross war der Kulturschock, als ich mit Kleinkind zurück nach Deutschland kam und selbstverständlich erwartete, auch hier Vollzeit zu arbeiten. Wie man an dem Tagesspiegel-Artikel sehen kann, zieht sich diese unsägliche Meinung, dass nur eine Vollzeitmutter eine gute Mutter wäre, in Deutschland durch alle Schichten und Altersklassen. Vor einiger Zeit erklärte mir sogar eine Studentin, die bei uns praktiziert, dass sie nie ihr Kind in eine Kita “abschieben” würde.

    Solange hier nicht ein grundsätzlicher Wertewandel einsetzt, wird sich die Geburtenrate nicht verbessern.

  5. Eva Blonde (@communeva) · · Antwort

    Ach ja, dieses “Kinder abschieben”-Argument hoere ich auch immer mal wieder – und bin jedes Mal ehrlich verbluefft, dass es wirklich noch Menschen gibt (in meinem Alter!), die so denken.
    Schlimmer scheint mir aber noch dieser Druck auf Muetter zu sein, alles “richtig” zu machen. Was immer das dann bedeutet. Die Kitaentscheidung ist da ja nur eine von vielen. Dieses Phaenomen kenne ich zumindest von quasi allen jungen Muettern in meiner Umgebung.
    Aber noch mal zu der Kostenfrage: Klar ist es teuer, in Bildungseinrichtungen (sind ja nicht nur Kitas) mit guten Rahmenbedingungen und gut ausgebildetem Personal zu investieren. Es gibt aber auch Anhaltspunkte, dass sich dadurch Folgekosten drastisch verringern (z.B. fuer Jugendhilfemassnahmen, aber auch Strafverfolgung und Sozialhilfe etc.) und sich die Kosten dadurch nicht nur neutralisieren, sondern ein Vielfaches der eingesetzten Kosten spaeter gespart wird.
    Vielleicht bin ich da zu idealistisch, aber mir leuchtet das sofort ein. Wenn es das Bildunssystem schaffen wuerde, nicht nur Faktenwissen an die mit guten Voraussetzungen zu vermitteln, sondern alle individueller nach ihren Moeglichkeiten zu sehen und zu begleiten und foerdern, haetten viele Menschen weniger Probleme.
    Nur funktioniert Politik ja leider nicht so.

  6. Was genau rechtfertigt das “nur” bei: “Diese negativen Effekte betreffen allerdings nur 16% aller Kinder”? Ein Restaurant, in dem 16% der Gäste auch nur leicht schlecht werden würde, könnte den Laden bald schließen.

  7. “Bundesregierung versagt bei Krippenbetreuung”- Ist dem Autor bewusst, dass die Krippenbetreuung in der Zuständigkeit der Kommunen ist. Wenn überhaupt jemand versagt hat, dann sind es die Kommunen. Denn hier gibt es gute Beispiele, wie im Osten der Republik und schlechte. Die Städte und Gemeinden, die verstanden haben, dass eine gute Infrastruktur bei Bildung ein wichtiges Investitionsmerkmal ist und wirkliche Wahlfreiheit den Eltern ermöglichen, sind auch wirtschaftlich erfolgreich. Es gibt gute Gründe für und gute Gründe gegen Krippenbetreuung bis zu 3. Lebensjahr. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe als Mann vor 19 Jahren mich bewusst und mit deutlichen Einkommenseinbusen dafür entschieden meinen Sohn von 0,5 bis 2,5 Jahren selbst zu betreuen und meiner Frau mehr beruflichen Aufstiegs ermöglicht. Es war rückblickend die schönste Zeit meines Lebens die eine tiefe emotionale Bindung zu meinem inzwischen erwachsenen Kind bis heute prägt.

    1. Hierzu muss ich auch noch einen kleinen Beitrag einschieben. Die Entwicklung wurde von vielen Experten vorausgesagt und selbst vom Laien erkannt. Die Bundesregierung hat natürlich die Möglichkeit die Länder in die Pflicht zu nehmen und hat viel zu spät angefangen auf das Problem hinzuweisen. Vollmundig wurde immer von einem Erreichen der Ziele gesprochen. Darüber haben viele damals schon gelacht! Jetzt alles auf die Kommunen zu schieben (die natürlich versagt haben und private Projekte und Initiativen blockieren und verhindern), scheint mir sehr vermessen. Die Regierung war eben nicht der Motor und Treiber!

  8. Unsere Tochter ist 14 Monate alt und geht jeden Tag in die KiTa, weil ich böseböseböse Rabenmutter Vollzeit arbeite. Ich habe sehr großes Glück gehabt, einen Ganztagsplatz zu bekommen. Und noch größeres Glück, dass die Betreuerinnen toll sind.

    Der Kleinen tut die KiTa sehr gut. Denn wo soll sie als Einzelkind sonst teilen lernen. Oer sich durchzusetzen. Ihre sozialen Fähigkeiten sind schon jetzt deutlich vorhanden.

    Daheim kann ich zudem keine so kindgerechte Umgebung bieten, wie sie in der KiTa vorhanden ist.

    Wahrscheinlich spricht aus der Stimme der Tagesspiegelautorin der blanke Neid, dass es anderen Kindern besser geht.

  9. Die Diskussion dreht sich im Kreis, so lange jede Familie/Mutter genau ihr Lebensmodell als das einzig Richtige betrachtet: Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der jede/r frei entscheiden kann, wie das das eigene Kind am besten zu erziehen, zu sozialisieren und zu betreuen ist, ohne von Vertretern der gegenteiligen Meinung verurteilt zu werden.

    Was ich in Online-Diskussionen immer vermisse, mir aber offline ständig begegnet, sind die Eltern, die auch Zweifel an ihrem eigenen Weg erkennen lassen: Wo sind die Vollzeit arbeitenden Mütter, die ihr Kind vermissen und wo sind die zuhause betreuenden Eltern, die an der Sozialkompetenz ihres Kleinkinds zweifeln? Ich finde es schade, genau diese Stimmen so selten zu hören und stattdessen immer wieder nur mit Schwatz-Weiß-Malerei konforntiert zu werden.

    1. “Die Diskussion dreht sich im Kreis, so lange jede Familie/Mutter genau ihr Lebensmodell als das einzig Richtige betrachtet” – im Prinzip richtig. Nur gibt es diesen gegenseitigen “Kampf” meines Erachtens gar nicht.
      Ich habe mein Lebensmodell nicht als das einzig Richtige propagiert, ich habe noch nicht einmal mitgeteilt, was mein Lebensmodell ist. Ich habe mir die Daten und Argumente, die eine Kita-Gegnerin bringt, auf ihren Gehalt hin angesehen. Genau die und nur die Daten, die Frau Brinck selber zitiert, wohlgemerkt – ich habe noch nicht einmal eine andere Studie zitiert, die andere Ergebnisse bringt.
      Ich sehe im Übrigen überhaupt selten arbeitende Mütter, die nicht-arbeitende angreifen und diffamieren, ihnen Verantwortungslosigkeit, Egoismus und Grausamkeit ihren Kindern gegenüber vorwerfen. Da es im Internet *alles* gibt, wird man eventuell bei längerer Suche auch so etwas finden, in den großen Zeitungen findet man es nicht. Und auch mir liegt es fern. Wer sich dafür entscheidet, sein Kind ausschließlich selbst zu betreuen, wird von mir keine Hassattacke zu erwarten haben. Und auch die angeblichen Anfeindungen und Reduzierung auf die Rolle als “Hausmütterchen” sehe ich immer nur als Behauptung in den Artikeln, die das traditionelle Rollenbild mit ebensolcher Arbeitsteilung hochhalten.
      Die Angriffsrichtung ist immer dieselbe – gegen Fremdbetreuung. Die sogenannten “Gegner” wollen nichts als die Freiheit, sich für einen Kitaplatz entscheiden zu dürfen (oder auch nicht). Also genau die “Wahlfreiheit”, die Sie sich wünschen.

      1. Bezogen auf Ihren Artikel haben Sie vollkommen Recht, mein Kommentar bezog sich eher auf den entsprechenden gesellschaftlichen Diskurs im Ganzen.

        Bemerkenswert finde ich, dass die meisten kommentierenden Eltern – zumindest nach außen – so sicher sind, dass ihre Entscheidung in Sachen Betreuungslösung auf jeden Fall richtig ist und sie damit uneingeschränkt glücklich sind. In meinem privaten Umfeld und auch in meiner eigenen Familie nehme ich da deutlich mehr Unsicherheiten wahr – sowohl bei den Eltern die fremd betreuen lassen als auch bei den Selbstbetreuern.

  10. meine Tochter DURFTE schon mit sieben Monaten in die Kinerbetreuung. Nun ist sie schon bald ein Jahr dort, bei zwei Tagesmüttern und sie liebt es! am Wochenende vermisst sie sogar die anderen und fragt schon manchmal nach ihnen. ich freue mich und denke, dass ich ihr IHR EIGENES LEBEN und ihre Altersgenossen (lustiges Wort) nicht vorenthalten darf. dazu fühlt sie sich zu hause bei Mama und Papa und Oma auch sehr wohl. ICH würde mich als Rabenmutter fühlen, wenn ich sie NUR hier “zu hause” lassen würde.
    lg, Kiki

  11. Mit Schwarz-weiß-Denken werden wir nicht weiter kommen. Warum den entweder Kita-Vollzeit gegen Mutti bleibt besser zuhause? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich kenne alle möglichen Formen: aufgewachsen in einer Großfamilie mit Oma und Opa. Ich habe den Kindergarten (in den ich mit 5 Jahren kam) gehasst. So ein furchtbares Gegängel durch die “Tanten”, diese ekehafte erzwungene “Gemeinschaft”, Ringelpiez mit Anfassen….

    Mein eigenes Kind zeimlich spät mit 35 bekommen, 2,5 Jahre allein zuhause mit ihm verbracht, dann 2 Jahre mit Tagesmüttern experimentiert und halbtags wieder gearbeitet, danach Kinderkrippe , bei der sich herausstellte, dass die Erzieherinnen nie mit den Kindern rausgingen, weil es ihnen zu umständlich erschien, die anwesenden Babies anzuziehen. Furchtbar, diese dauernden Infektionen des Kleinen, der uns ständig ansteckte. Danach Fulltime-Kindergarten bis zum 10. Lebensjahr, damit ich wieder Vollzeit arbeiten konnte. Danach abwechselnd mit dem Vater Nachmittagsbetreuung von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr, weil der Sohn es im Kindergarten nicht mehr aushielt (u.a. auch weil entgegen allen Beteuerungen zum Aufessen der Mittagsmahlzeitbgezwungen wurde). Danach zwei Jahre Kind allein nachmittags vor dem Fernseher, bis seine Eltern endlich von der Arbeit kamen….Uff, wir haben es geschafft und er hat eine halbwegs passable Ausbildung bekommen. Aber einen Fulltime-Kitaplatz haben wir nur 5 Jahre gebraucht und hätten ihn gern nur Teilzeit beansprucht, wenn wir es uns hätten leisten können.

    Fulltime-Kita ist schlicht eine wirtschaftliche Notwendigkeit und keine menschlich-soziale und kinderfreundliche Lösung. Ich erinnere mich nur allzu gut an die täglichen Nervenzusammenbrüche meines Kleinen um 17:00 Uhr vor unserer Haustür, nicht ordentlich gegessen, die Hausaufgaben schlampig gemacht, völlig unterzuckert und übermüdet durch den schrecklichen Lärmpegel in der Kita. Unsere Arbeitswelt ist nun einmal nicht kinderfreundlich, ein Mix aus allem wäre optimal gewesen: mit Oma und Opa, mit Teilzeitarbeit der Eltern, mit einigen Stunden Kita, mit Steuererleichterungen und Extrazuschüssen für Eltern.

    1. Natürlich geht es um ALLE Lebensmodelle. Um eine Wahlmöglichkeit der Eltern, egal wie das Modell aussieht. Und Sicherheit hat man als Eltern wohl nie. Nie über die Erziehungsmethoden, nie über alle anderen Dinge die man tut oder unterlässt. So ist das mit Kindern. Jedoch erwarte ich, dass ein gewähltes Modell -egal wie es aussieht- für die Kinder und Eltern möglichst optimal gestaltet wird. Wenn eine Mutter ihre Freiräume benötigt um überhaupt Kräfte für das Leben zu haben, dann soll sie gerne Golfspielen gehen. Ihr Kind sollte dann aber optimal und kindgerecht betreut werden. Wenn Eltern die Vollzeitbetreuung ihres Kindes finanziell und gesundheitlich wunderbar stemmen können, so ist dies zu akzeptieren und zu unterstützen. Hier sehe ich die Gesellschaft in der Pflicht. Sich nicht über die Anteile der Krümel des Minikuchens (finanzielle und ideelle Ausstattung für alles was mit Kindern zu tun hat) zu streiten und auf die jeweils vermeintliche Gegenseite zu schimpfen, sondern dafür sorgen, dass der Kuchen ausgeweitet wird. Und ich meine hiermit eben nicht nur die finanzielle Ausstattung. Es geht um Selbstverständnis, um Ausbildung, um das was wir den Kindern mitgeben wollen. Die Gesellschaft muss verstehen, dass es nicht nur eine Sache der Eltern ist sich mit Kindern zu befassen, sondern auch Sache der Kinderlosen. Eltern dürfen nicht nur ihre Sicht vertreten, sondern auch die der Alleinerziehenden usw. Zusammenfassend: Egal wo Kinderbetreuung stattfindet. Sie sollte die Kinder in den Fokus stellen und ihnen Lebensfreude, Lebensmut und Lebensneugier vermitteln.
      Dies alles können nur Menschen, die selber diese Dinge erfahren und verinnerlicht haben. Manchmal kann eine Kita oder Tagesmutter dies dem Kind bieten, wenn es das zuhause nicht bekommt, manchmal kann es eine Oma oder andere Personen bieten. Wo es IMMER geboten ist: KITA; Tagesmutter, Kindergarten und Schule.

  12. [...] Verschwörungstheorien bin ich für gewöhnlich raus. Egal, Dr. Muttis Text Das Kindlein in der Krippe ist sehr empfehlenswert, weil er den ganzen ideologisch Wahnsinn eines Artikels über das Kindswohl [...]

  13. Ich finde auch, es sollte nicht immer über für und wider diskutiert werden. Sondern darüber, wie für Kinder ob in der Kita, Tagesmutter oder auch in der Schule ein optimales Umfeld geschaffen werden kann. Wann und wie lange die Kinder jeweils teilnehmen, soll doch jeder Familie selbst überlassen bleiben.
    Ich würde aus meiner persönlichen Erfahrung und meinen Beobachtungen die These aufstellen, dass diese bösartig geführte Debatte sogar letztlich schlecht sein kann für die Kinder, die früh betreut werden. Die Verunsicherung der Eltern wird für die Kinder während der Eingewöhnung spürbar und erschwert den Prozess unnötig.
    Mich nervt außerdem, dass immer die Rede davon ist, die MUTTER soll drei Jahre Zuhause bleiben.

  14. [...] mal ernsthaft, kritisch und konstruktiv über die fehlenden 220.000 Kitaplätze zu reden, versteift die Mainstreampresse sich lieber darauf, Kitas allgemein und Menschen, die ihre [...]

  15. [...] – im Tagesspiegel.   Eigentlich muss man dazu nicht mehr viel schreiben, das hat schon Dr. Mutti getan. Mich hat vor allem aufgeregt, dass ein angebliches Qualitätsmedium wie der [...]

  16. [...] Bei Dr. Mutti geht es in der Zwischenzeit um Krippenkinder, bzw. konkreter um einen Artikel im Tagesspiegel, in dem die Kita- und Krippenbetreuung verteufelt wird und man einmal mehr lernt, dass man auf keinen Fall einer Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat. Und auch keinen vermeintlichen Beweisen anhand von Studien, die man nicht selbst auch gelesen hat. [...]

  17. Gutundgerne · · Antwort

    Studien!
    Jedes Kind ist anders! Während das eine morgens um 5 Uhr schon mit den Hufen scharrt und in die Kita will, leidet das nächste darunter überhaupt hingehen zu müssen und weint 3 Jahre (oder auch 5 Jahre und 6 Monate) lang jeden Morgen vor der Gruppentür.
    Ich habe drei Kinder. Die beiden Jungs haben 3 Jahre lang jeden Morgen geweint und waren froh, wenn ich sie mittags “erlöst” habe (Die Grundschule finden sie jetzt auch blöd, obwohl sie beide sehr gute Schüler sind). Meine Tochter geht immer fröhlich und gerne in dieselbe Kita, weil sie sich auf ihre Freundinnen und das ganze Programm dort freut. Stichwort: Individuen!

    Ich selbst habe meine Eltern nur abends und/oder am Wochenende gesehen und während der Ferien. Sie hatten ihre Arbeit, ihr Leben und dürfen es auch gerne weiter für sich haben. Der Kindergarten war toll und auch die Zeit die ich nachmittags mit meiner Oma und meinem Opa verbracht habe – daran erinnere ich mich gerne.
    Wäre ich ein anderer Mensch, dann wäre mir die Abwesenheit meiner Eltern wahrscheinlich irgendwo dran vorbei gegangen oder ich wäre womöglich sogar stolz darauf, wie tüchtig sie waren, aber ich bin nunmal ich und ich habe darunter gelitten, dass meine Eltern nur Randfiguren waren… Jetzt ist es umgekehrt. Jetzt leiden sie darunter Randfiguren zu sein. Oma und Opa sind die Vorbilder.
    Das ist meine private, kleine Studie und das ist – wie ich finde – das größere Problem im Leben… Kitas bieten viel und holen einiges aus den meisten kleinen Menschen heraus, aber es gibt auch andere Kinder, die nicht so sein können wie die meisten.
    Man schenkt ihnen das Leben, weil man sich eine gute Beziehung zu ihnen wünscht und das möglichst auf einer positiven, liebevollen Ebene. Man “wirft” sie nicht nur in dieses Leben, damit sie ihr eigenes Leben haben. Wir stammen schließlich vom Affen ab und nicht von Vögeln oder so.
    Zu einer “Familien-Beziehung” gehören die Wünsche aller beteiligter Personen. Die Verantwortung allerdings liegt alleine bei den Eltern. Sie müssen dafür sorgen selbst glücklich und möglichst ausgeglichen zu sein und sie müssen unbedingt ihre Kinder genau kennen und die richtigen Entscheidungen treffen. Mit oder ohne Kita, Vollzeit, Teilzeit,… Die Betreuung ist sicher nicht schlecht, gaaaaaanz schlecht. Es kommt darauf an, ob das jeweilige Kind dafür “gemacht ist”.

    Es gibt da so einen Spruch: “Sei nett zu deinen Kindern! Sie suchen das Altersheim für dich aus.”

    Ich bin müde. Gute Nacht!

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