Der Feminismus ist schuld

Es war zu erwarten, dass nach dem Amoklauf an einer Primary School einer amerikanischen Kleinstadt auf Schock, Trauer, Unverständnis und Betroffenheit Analysen folgen würden, Gesellschaftskritik, eine Diskussion des Waffenrechts, psychologische Überlegungen. Dass es Anlass sein würde, über die schlimmen Folgen des Feminismus in Deutschland zu sprechen, das ist dagegen eine Überraschung.

Der Tagesspiegel hat heute eine Gesellschaftsanalyse des Soziologen Walter Hollstein veröffentlich, der angesichts der Tragödie von Newtown nicht wie viele andere sprach- und ratlos ist, sondern mit einer einfachen Erklärung aufwartet: Amokläufer sind immer männlich – also muss Männern in ihrer Kindheit etwas Schreckliches zugefügt werden – wer sollte so etwas tun? – Frauen natürlich. Schlimmer noch: Feministinnen!

Ausbuchstabiert wird das von Hollstein folgendermaßen: Jungen seien in unserem Schulsystem systematisch benachteiligt: sie würden zu unwürdigen „weiblichen“ Tätigkeiten und Verhaltensweise gezwungen, wie etwa dem Malen von „Schmetterlingsbildern“ und Lesen von „Bienengeschichten“. (Warum Insekten als Thema weiblichen Menschen vorbehalten sein sollten, wird nicht weiter erläutert.) Im Sportunterricht müssten sie gar Schleiertänze aufführen. Begehrten sie – nachvollziehbarerweise – z.B. gegen solcherlei Demütigung auf, indem sie „ihren Unmut im Unterricht kundtun“, würden sie rausgeworfen und bestraft. Außerdem würden sie bei gleicher Leistung schlechter bewertet als Mädchen. Das alles sei darauf zurückzuführen, dass sowohl der Kindergarten als auch die Grundschule weiblich dominiert seien. Dort würden die Kinder mit weiblichen „Werten, Erziehungszielen, Verhaltensmustern, Erwartungen und Anpassungsforderungen zugeschüttet“. Die Jungen könnten also keine „echten“ Jungen mehr sein.

Dieses Argument funktioniert natürlich sowieso nur dann, wenn man davon ausgeht, dass Jungen und Mädchen von Natur aus unterschiedlich seien und dass eine Nichtanerkennung dieses Unterschieds eine Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse sei. Nun könnte man mit gutem Grund bezweifeln, dass es diese „natürlichen“ Unterschiede gibt, aber wenn man sie annimmt, dann würde dies eine deutlich simplere Erklärung für die Tatsache liefern, dass Gewalttäter im Allgemeinen und Amokläufer im Besonderen fast immer männlich sind: Männer SIND eben so, genetisch, biologisch – sie lesen nicht gerne Bienengeschichten, sondern spielen lieber Egoshooter, sie mögen Waffen statt Schmetterlinge, sie tanzen nicht gerne mit dem Schleier, sondern mähen lieber Leute um. So einfach. Aber nein! Hier kommt der interessanteste Dreh von Hollsteins Narrativ: Nur, weil die Jungen in ihrer Kindheit am Ausleben ihrer wild-aggressiven Art gehindert werden, werden sie schließlich zu Amokläufern.

Dieser Twist ist tatsächlich ungewöhnlich. Wann immer sonst eine Neigung zu bestimmten Taten mit einer bestimmten Gruppe in einen systematischen Zusammenhang gebracht wird, folgt in der Argumentationskette dann meistens, dass die der Gruppe Zugehörigen eben „so sind“: Wenn Raubüberfälle etwa (tatsächlich oder eingebildet) überdurchschnittlich oft von jungen Männern mit Migrationshintergrund begangen werden, dann wird selten lamentiert, dass das nur ein Ausdruck ungenügender Anerkennung ihrer Wurzeln und Eigenheiten durch die Deutschen sei. Wenn Frauen Männer (angeblich oder tatsächlich) fälschlicherweise der sexuellen Belästigung bezichtigen, wird nicht sofort behauptet, dass das eben die gerechte Strafe für die Unterdrückung weiblicher Sexualität durch den Mann sei. Und so weiter.

Aber selbst wenn man der zweimal verdrehten Logik folgen möchte: Stimmen denn die Prämissen, auf der Hollstein sein Argument aufbaut?

Es ist absolut unbestritten, dass in Kindergärten und Grundschulen fast ausschließlich Frauen arbeiten. Dass aber Jungen „heute in einem engen Frauenkäfig von Müttern, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen“ aufwachsen, wie Hollstein behauptet, ist schon eine andere Sache. Während die Betreuung gerade kleinerer Kinder, also Vorschulkinder, früher tatsächlich fast ausschließlich in der Hand weiblicher Verwandter lag, gibt es aktuell mehr als jemals zuvor Väter, die sich aktiv an der Erziehung ihrer eigenen Kinder beteiligen. Und selbst Opas und Onkels finden es heutzutage oft nicht abwegig oder ehrenrührig, sich mit Enkeln und Neffen zu beschäftigen. Dass es im professionellen Bereich nicht mehr Männer als Erzieher und Grundschullehrer gibt, ist sicher schade. Die Ursachen dafür liegen aber unter anderem in dem traditionellen Männerbild, dessen angeblichen Verlust Hollstein hier beklagt. Insofern ist die Entwicklung hin zu einer frauendominierten Erziehung sowieso kein so klarer Fakt, wie Hollstein glauben machen will.

Aber selbst wenn man solche Feinheiten mal beiseite lässt: Kindergärten und Grundschulen machen einen wichtigen Teil der Erziehung aus, und diese wird von Frauen geleistet. Stülpen diese aber tatsächlich Jungen wie Mädchen weiblich geprägte Verhaltensvorschriften über? Auch das darf bezweifelt werden – so zeigt eine kürzlich von Joachim Schulz besprochene und hier bereits erwähnte Studie über Kindergärten, dass Jungen dort in ihrem Bewegungsdrang eher ermutigt, Mädchen dagegen eher gebremst würden – dass dort also alles andere als geschlechtsneutrale Erziehung stattfindet.

Aber vielleicht doch in der Schule? Wäre doch möglich, dass dort andere Regeln gelten als im Kindergarten. Sicher ist das so. Nur waren auch zu einer Zeit, als mehr oder sogar ausschließlich Männer in den Schulen unterrichtet haben, bei Schulmassakern ausnahmslos Männer die Täter – wie etwa bei dem Amoklauf von Bremen 1913, dem Schulmassaker von Bath 1927 oder dem Attentat von Volkhofen 1964.

Darüber hinaus richten sich viele Schulmassaker gegen weiterführende Schulen, an denen das Geschlechterverhältnis bei den Lehrenden deutlich ausgewogener als an Grundschulen ist. Hollstein selbst zitiert Bastian B., der 2006 in Emsdetten fünf Menschen durch Schüsse verletzte und sich selbst erschoss: „Das Einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin.“. Nur lief Bastian B. nicht an in einer Grund-, sondern an einer Realschule Amok. Der Amoklauf von Winnenden 2009 traf ebenfalls eine Realschule. Die Amokläufe von Erfurt 2002 und  Ansbach im Jahr 2009 geschahen an Gymnasien.

„Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden“, behauptet Hollstein. „Da liegt dann Rache als „Ausweg“ nahe.“ Warum aber sollten nochmal die Grundschulen, und nicht die Realschulen oder Gymnasien, der Hort des Schreckens sein? Ach ja, wegen der Frauen und der Schmetterlinge, die den Jungen das Mannsein verleiden. Eine hermetische Argumentation par excellence. Man könnte fast lachen über die Anzahl logischer Fehler und methodischer Unsinnigkeiten, die Hollstein in seine kleine Analyse gepresst hat. Aber in diesen Tagen fühlt man sich als jemand, der selber Schulkinder hat, gar nicht so sehr zum Lachen aufgelegt. Und Kritik an Lehrer*innen ist sicher an vielen Stellen berechtigt. Aber am heutigen Tag sollte man vielleicht kurz mit Respekt an die 27-jährige Lehrerin Victoria Soto denken. Sie versteckte ihre Schüler in Schränken, bevor der Amokläufer von Newtown sie erschoss, aber die Kinder nicht fand.

Advertisements

49 Kommentare

  1. Das Zitat „Das Einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin“ ist von Sebastian B., dem Attentäter von Emsdetten, nicht von Robert Steinhäuser.

    1. Danke für die Korrektur – dass der Hollstein-Artikel auch noch schlecht recherchiert ist, wundert mich nicht so richtig. Mein Argument bleibt das gleiche.

  2. Dabei ist die Lösung so viel einfacher: Wir brauchen wieder ’nen Krieg! Und nicht so was kleinteilig-verfusseltes wie Afghanistan oder Balkan – nein, was richtig großes. Einen Krieg, in dem die Männer, die als Jungs ihre aggressiven Triebe austoben durften, Jungs, die auch mal Klassenkeile ausgaben, Jungs, die den Nachmittag draußen im Wald in Uniformen schön Krieg spielen durften, die Spitze des psychologischen Aggressionsabbaus ausführen können. Einen Krieg halt, in dem sie die fiesen Untermenschen auf der anderen Seite mal so richtig abschießen können!

    1. Nun muss ich mich nochmals bedanken und mich entschuldigen, der Fehler lag hier auf meiner Seite. Ich habe das entsprechend im Artikel berichtigt.

  3. Dummerjan · · Antwort

    „Nun könnte man mit gutem Grund bezweifeln, dass es diese “natürlichen” Unterschiede gibt, “
    Nein, in wichtigen Dimensionen sind die Geschlechter schon in der Grundschule unterschiedlich.

    So wird z.B. der Spracherwerb wird kausal durch Testosteron verlangsamt: „“Child Psychology and Psychiatry”. (doi: 10.1111/j.1469-7610.2011.02523.x“, der Zusammenhang ist monoton und stark nichtlinear.

    Auch in anderen Dimensionen gibt es starke Unterschiede:

    http://www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/Dokumente/Zukunft_D_Prof.Bos_12.03.2009_final_homepage.pdf

    Daher ist es korrekt anzunehmen, daß es geschlechtsspezifische Unterschiede in der
    Tat existieren. Inwiefern diese „natürlich“ sind ist insoern unerheblich, als dass ja unabhängig von „Natürlichkeit“ oder „Unnatürlichkeit“ die „Passung“ oder das „Matching „(wie Remo LArgo das nennt) der Kinder zu bestimmten Erwartungen eben für Jungen und Mädchen unterschiedlich ist.

    1. @Dummerjan,
      ein Teil Ihres Kommentars wurde gelöscht, da er sich nicht an die Kommentarregeln hält. Bitte bemühen Sie sich um einen konstruktiven Ton, beschränken Sie sich auf inhaltliche Argumente und verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Ich habe den Teil des Kommentars, der inhaltlich auf den Artikel eingeht, in diesem Fall veröffentlicht, werde mir aber in Zukunft nicht immer die Arbeit machen, Ihre Kommentare derart zu redigieren.

  4. Das Zitat stammt wie erwähnt vom Attentäter von Emsdetten, Herr Hollstein hat es richtig zugeordnet.
    Ich finde ebenfalls, dass Herr Hollstein etwas vereinfacht und zuspitzt. Den Zusammenhang zwischen der Erziehung und Bildung von Jungen, die in frühen Jahren überwiegend von Frauen geleistet wird, und dem Amoklauf hätte er nicht herstellen sollen, dass ist zu weit hergeholt. Dass es Jungen an positiven männlichen realen Identifikationfiguren fehlt, sollte durchaus thematisiert werden, dann aber etwas differenzierter. So ist ein Begriff wie „weibliche Werte“ auch meiner Meinung nach Blödsinn. Er zeigt im weiteren Verlauf zutreffend auf, dass sich Jungen in unserer Gesellschaft einer Vielzahl von sich z. T. widersprechenden Erwartungen gegenübersehen, ohne dass sie ausreichend darin unterstützt werden, wie damit umgegangen werden kann.
    Allerdings kann ich nicht erkennen, dass Herr Hollstein an irgendeiner Stelle den „Feminismus“ beschuldigt hätte, wie ihr Artikel so plakativ suggeriert.

    1. Nun ja, warum sollen Antworten auf plakative Artikel nicht auch selber plakativ sein?
      Zu Ihrer Anmerkung, es ließe sich nicht erkennen, wo Herr Hollstein den „Feminismus“ beschuldige: Hollstein äußert nicht „der Feminismus ist schuld“. Das ist nur der etwas ironische Titel meines Artikels. Hollstein sagt aber unter anderem folgende Dinge:

      „Sie [die Jungen] können sich nicht mehr an allgemeingültigen Bildern von Männlichkeit orientieren, wie das früher der Fall war.“ Warum ist dies nicht mehr der Fall? Wer hat die allgemeingültigen Bilder von Männlichkeit in Frage gestellt?

      „Die amerikanische Feministin Andrea Dworkin hat es bündig auf den Begriff gebracht: „Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck.“ Jungen fühlen sich zunehmend als Opfer dieses gewandelten Zeitgeistes.“
      Der „gewandelte Zeitgeist“ bezeichnet hier klar das, was eine Feministin sagt.

      „Ein in sich brüchiges oder gar zerbrochenes Männerbild – auch noch willentlich herbeigeführt – ist gleichbedeutend mit Zukunftslosigkeit und provoziert dann erst jene männlichen Exzesse, die man angeblich abschaffen will.“
      Wer sollte dieser „man“ sein, der diese Exzesse abschaffen will? Und der „willentlich“ ein „zerbrochenes Männerbild“ herbeiführt?

      Wenn Sie überzeugend argumentieren können, dass hier in allen Fällen NICHT von Feminist*innen bzw. deren Weltbild die Rede ist, dann würde ich noch einmal ernsthaft über die Stoßrichtung meines Artikels nachdenken.

      1. Das Zitat mit „willentlich“ hat mich überzeugt. Das ist tatsächlich eine versteckte Unterstellung und Vorwurf. Und wenn er die Zielrichtung nicht nennt, ist doch klar in welche Richtung es geht.
        Mit einer solch unsauberen Argumentation und der blödsinnigen Verknüpfung mit dem Amoklauf schadet Hollstein den Interessen der Jungen mehr, als dass er ihnen hilft.

      2. Herrbert · ·

        @jgoschler

        Das Kapital interessiert sich heute zunehmend für eine Kombination aus vermeintlich männlichen und weiblichen Eigenschaften – Durchsetzungsvermögen und Verständnis.
        Wichtig ist also nicht das Geschlecht sondern die Fähigkeit zur Verwertung.

        Den Geschlechtern sollen also alle Differenzen ausgetrieben werden und an eine gewisse abstrakte Allgemeinheit angeglichen werden für die sich das Kapital interessiert.
        Dieser Prozess vollzieht sich von ganz allein, auch ohne Feminismus und Queer Theorie.

        Ich bin allerdings ganz und gar nicht davon überzeugt, das die Auswirkungen zwangsläufig mehr Amokläufe von jungen Männern sind.
        Da macht es sich Hollstein zu einfach.

      3. Mark Overton und Geoffrey Mull von den Cornwall Community News haben es jetzt auch expliziert: „FEMINISM KILLS 27 AT US HIGH SCHOOL“, http://www.cornwallcommunitynews.co.uk/2013/01/04/feminism-kills-27-at-us-high-school/

    2. Dass Menschen “ in unserer Gesellschaft einer Vielzahl von sich z. T. widersprechenden Erwartungen gegenübersehen“ gilt weder speziell für Jungen, noch hat sich das in den letzten paarhundert Jahren wesentlich geändert. Die Ausführungen von Herrn Hollstein sind in diesem Punkt nur deshalb zutreffend, weil er Selbstverständlichkeiten referiert. Das Leben war schon immer kompliziert, Erfolg war noch nie garantiert.

      1. Natürlich sehen sich auch Mädchen widersprüchlichen Erwartungen ausgesetzt. Zumindest im Schulalter gibt es mit Mädchenarbeit und Girls‘ Day aber Ansätze, Mädchen bei der Auseinandersetzung mit Rollenerwartungen zu unterstützen. Die korrespondierenden und genauso sinnvollen und notwendigen Angebote für Jungen, Jungenarbeit und Boys‘ Day, werden weiterhin nicht ausreichend gefördert.

      2. Nun, Betriebspraktika gibt es auch für Jungen und auch am Girlsday werden, je nach Schule und Bundesland, in der Regel auch Angebote für Jungen angeboten. Dass Jungen weniger Gelegenheit als Mädchen bekommen, sich mit Rollenerwartungen auseinanderzusetzen, ist eine starke Behauptung, die einen soliden Beleg erfordert.

      3. Auch ich habe mich zuerst über den Girls‘ Day gewundert, aber die Idee dabei soll wohl eigentlich auch sein, Mädchen auch an klassische „Männerberufe“ heranzuführen. Umgekehrt wären mehr Männer in klassischen „Frauenberufen“ – also zum Beispiel im Pflege- und Bildungsbereich sehr wünschenswert, schon allein deshalb, weil dort sowieso Arbeitskräfte fehlen, aber sicher auch im Sinne einer vielfältigen Gesellschaft. Leider scheinen die Ursachen für den Männermangel in diesen Berufen aber nicht allein durch „Heranführen“ zu beseitigen zu sein – schlechte Bezahlung, wenig Aufstiegsmöglichkeiten und geringes soziales Ansehen scheinen mir da effektive Mechanismen zu sein, Männer abzuschrecken.

      4. Meine Aussage war, dass Jungen weniger Unterstützungsangebote für die Auseinandersetzung mit Rollenerwartungen erhalten. Sie haben auch weniger reale und greifbare positive Identifikationsfiguren, da der Anteil von männlichen Erziehern und männlichen Grundschullehrern sehr gering ist. Natürlich spielen „schlechte Bezahlung, wenig Aufstiegsmöglichkeiten und geringes soziales Ansehen“ dabei auch eine entscheidende Rolle.

      5. @X: Das mit den fehlenden Identifikationsfiguren sehe ich auch so. Genaugenommen glaube ich aber, dass alle Kinder zu wenig Unterstützung bei der kritischen Auseinandersetzung mit Rollenerwartungen bekommen. Denn egal, ob sie von Männern oder Frauen betreut werden, wenn diese unreflektiert ihre eigenen Rollenklischees weitergeben, ist es für niemanden gut. Nur Mann oder Frau sein reicht nicht, denn auch Frau sein heißt noch nicht, dass man nicht jahrhundertealte Geschlechtervorstellungen weitergibt.

      6. Sehe ich auch so. Idealerweise setzen sich Pädagoginnen und Pädagogen sowie Lehrerinnen und Lehrer selbst gründlich mit geschlechterstereotypischen Rollenerwartungen auseinander, insbesondere wenn sie eine dediziert geschlechtsspezifische pädagogische Tätigkeit ausüben. Ist natürlich in der Praxis nicht immer/nicht oft gegeben.

      7. @X: Ich sehe immer noch nicht, warum Jungen „weniger Unterstützungsangebote für die Auseinandersetzung mit Rollenerwartungen erhalten“. Woran machen Sie das fest?

        Dass Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter keine oder wenige „greifbare positive Identifikationsfiguren“ haben, stimmt nur unter den Voraussetzungen, dass
        1) Kinder in diesem Alter ihre Identifikationsfiguren hauptsächlich unter den Erzieher_innen bzw. Lehrer_innen auswählen und
        2) Frauen für Jungen grundsätzlich nicht als Identifikationsfiguren in Frage kommen.
        Beides sehe ich nicht als selbstverständlich an. Ich kann mich als Junge an viele männliche Lherer erinnern, mit denen ich mich gar nicht identifizieren konnte und ich habe, soweit ich weiß, meine Mathelehrerin in der Grundschule sehr verehrt.

    3. Auch Ihnen Dank für die Korrektur, die Passage ist berichtigt.

  5. Es gibt Menschen, die behaupten würden, dass solche gesellschaftlich relevanten Diskurse (und vor allem deren Bedingungen und Konsequenzen) Folge langer Friedenszeiten (in Europa) sind. Das geht noch ein Stück weiter an die Substanz — aber lohnt die Debatte. Wie man bspw. den Friedensnobelpreis für die EU nur als Auszeichnung und nicht als Aufforderung verstehen kann, einen Diskurs darüber zu führen, wie man junge Menschen gleich welchen Geschlechts in unserer Gesellschaft zu behandeln habe, ohne deren Stabilität aufs Spiel zu setzen, ist mir schleierhaft. „Altenschwemme“, „kinderlose Gesellschaft“, „gewaltbereite Jungen“ — vor 50 Jahren hätte man sich darauf verlassen, dass ein „Reset“ nicht nur schrecklich ist, sondern auch die Möglichkeit gewährt, neu zu beginnen.

  6. Wer Joachims und meine Beiträge kennt, weiß, dass wir die ersten wären, die Rollenbilder welcher Art auch immer gerne in den Mülleimer der Geschichte befördern würden. Von mir aus müssen weder Männer gleichzeitig „Frauenversteher, Macho, Papa und Karrieretyp“, noch Frauen gleichzeitig Männerumsorgerin, Sexhäschen, Mama, Hausfrau und erwerbstätig sein, außer, sie wollen es. Wahrscheinlich wäre aber allen mehr gedient, wenn man versuchte, ein sozialer Mensch, ein guter Partner, selbständig und eigenverantwortlich und wer möchte, gute Eltern zu sein.

  7. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann gab es da auch so einige Sachen, die mir als typisch weiblich in Erinnerung geblieben sind und die ich gar furchtbar fand. Seien es Sportarten wie Stepaerobic mit Boyband-Untermalung im Sportunterricht, irgendwelche merkwürdigen Aufgaben im Deutschunterricht im Stile von „versetze dich in diese Person herein und schreibe einen Brief“ und oder auch diese furchtbaren Themen in den Sprachunterrichten, damit bekommt man keinen pubertierenden Jungen irgendwie begeistert. Ähnlich sah es etwa im Kunstunterricht aus und mich als metalhörenden Menschen hat auch der Musikunterricht mit seinen Popsongs nicht erreichen können. So ganz falsch ist die These von den Jungen, die vom Unterricht nicht erreicht werden, sicherlich nicht. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass jemand deswegen zum Amokläufer wird.

    1. Natürlich gibt es das. Desgleichen gibt es auch viele Mädchen, die die Aufgabenstellungen in einigen Fächern als typisch Männlich wahrnehmen und diese gar furchtbar finden.
      Und es gibt wohl auch viele metalhörende Mädchen, die man mit Popsongs nicht erreichen kann. Ich verstehe nicht, warum Geschlechterrollen neuerdings ein typisches Jungenproblem sein sollen.

      1. @Christian,

        „wenn man keine andere Basis hat für eine Einschätzung“ ist man nicht qualifiziert, darüber zu entscheiden, ob ein Kind Sprachförderung benötigt.

    2. Ich erinnere mich wohl lebenslang an den furchtbaren Aufsatztitel „Wenn ich König der Welt wäre“ und die dazu gehörende Strafpredigt des Fräuleins, weshalb ich nicht „Königin“ schreiben durfte (die Königin ist die Frau des Königs, die regiert gar nicht!)
      Popmusik mochte ich weder damals noch heute.
      Empathie – sich in jemanden anderen hineinversetzen können – ist hoffentlich keine rein weibliche Eigenschaft (wird nicht ein Mangel davon dem aktuellen Amokläufer vorgeworfen?).

      Ich verstehe das Bedürfnis nicht, individuelle Charaktereigenschaften ständig nach Geschlecht zuteilen zu wollen. Da fehlt es mir eindeutig an Empathie. Ups!

  8. Ich denke gerade, was für ein herrliches Experiment es wäre 2 Grundschulen, 5 weiterführende Schulen und ein Stadt voll von Männern zu haben… dann hätten mit den Maskulinismus in Reinkultur und könnten dann die angeblich verweiblichten Schulkinder und die krass ganz voll vermännlichen Schulkinder vergleichen… 😉
    Guter Artikel!

  9. Wenn der Soziologe recht hätte, müßten doch eigentlich (männliche) Waldschüler die ausgeburt der Gewalt sein. Da gehören „Schleiertänze“ zum Standardrepertoire.

  10. „Wer Joachims und meine Beiträge kennt, weiß, dass wir die ersten wären, die Rollenbilder welcher Art auch immer gerne in den Mülleimer der Geschichte befördern würden. “

    Das haben ja schon andere versucht: Im Kommunismus und im Kibbuz ist es gescheitert und auch ansonsten scheinen viele Geschlechterrollen sehr stabil zu sein, nicht was das Individuum angeht, sondern eher was Häufungen angeht.
    Mir wäre es eher wichtig, dass Geschlechter nicht essentialistisch gesehen werden, sondern deutlich wird, dass es zwar Häufungen bei den Geschlechterollen gibt, aber eben auch krasse Abweichungen.

    Insofern sollte man Individualität zulassen, sich aber nicht über Häufungen wundern.
    Daraus folgt dann auch, dass bestimmte Sachverhalte und Übungen eher Mädchen oder Jungs im Schnitt ansprechen, auch wenn es bei einzelnen Mädchen und Jungs ganz anders ist.

    Insofern wäre es schon sinnvoll den Unterricht auf beide Eigenarten abzustimmen und für beide was zu bieten.
    Ein krampfhaftes Aufbrechen von Geschlechterrollen im Sinne eine „Los versuch doch mal das andere, es wird dir schon gefallen, wenn du es lange genug machst“ wird dann eher Widerstände hervorrufen.

    1. Christian, Individualität zu lassen und nicht mehr ist genau, was wir fordern. Nur vermuten wir, dass die statistischen Unterschiede tatsächlich kleiner würden, wenn man endlich mal ernsthaft damit anfinge.

      1. @Joachim

        Interessant für mich ist, welche konkreten Maßnahmen du unter „ernsthaft damit anfangen“ verstehst.

        Wenn man mal annimmt, dass es aus biologischen Gründen Geschlechterunterschiede gibt, dann kann man aufgrund einer Beeinflussung der Kinder durch ihre Peergroup kaum vermeiden, dass ein gewisser Gruppendruck besteht.Diesen Teil könnte man dann auch quasi nicht einschränken ohne wiederum die anderen Kinder einzuschränken.

        Ich finde da ja die Studien an Mädchen mit CAH sehr interessant. Sie zeigen meiner Meinung nach, dass Kinder sich durchaus entgegen ihrer Rollenerwartung verhalten, wenn die Hormone bei ihnen von anderen Kindern ihren Geschlechts abweichen.

        Was sagst du eigentlich zu Bemühungen wie denen im Kibbuz?

      2. @Christian: Wenn man sich tatsächlich für die Antwort interessieren würde und es nicht nur als rhetorische Frage meint, kann man sich leicht selbst beantworten, was „konkrete Maßnahmen“ wären, um, wie Joachim sagt „Individualität zu lassen und nicht mehr“ – indem man a) auf unterschiedliche Behandlung von Jungen und Mädchen (als Kategorie) verzichtet und b) Kindern gleich welchen Geschlechts vielfältige Spiel-, Lern- und Förderangebote macht, die sie je nach individuellem Interesse mehr oder weniger annehmen können. Wer dadurch eingeschränkt werden sollte, ist mir ein Rätsel.
        Und, nein, WIR nehmen NICHT mal einfach so an, dass es biologische Geschlechterunterschiede (außerhalb der Sexualität und Fortpflanzung, die für Kinder noch keine große Rolle spielen sollten) gibt, wie du sehr gut weißt. Gründe dafür, davon nicht einfach so auszugehen, haben sowohl Joachim (z.B. sein Beitrag über Nullhypothesen) als auch ich (Beiträge über „Tomboys“ und „Affenmädchen“) an vielen Stellen zur Genüge gebracht, daher stehen diese in diesem Kommentarthread nicht zur Diskussion.

      3. @jgoschler

        „indem man a) auf unterschiedliche Behandlung von Jungen und Mädchen (als Kategorie) verzichtet“

        Was ist, wenn Unterschiede eine unterschiedliche Behandlung erfordern? Wenn zB Jungs im Schnitt mit wilderen Spielen besser zurecht kommen als Mädchen?

        „und b) Kindern gleich welchen Geschlechts vielfältige Spiel-, Lern- und Förderangebote macht, die sie je nach individuellem Interesse mehr oder weniger annehmen können.“

        Auch „Angebote machen“ kann man ja verschieden intensiv. Reicht es eine Ecke mit Puppen und eine mit Rittern vorzuhalten und die Kinder dann wählen zu lassen?

        „Und, nein, WIR nehmen NICHT mal einfach so an, dass es biologische Geschlechterunterschiede gibt“

        Ich meinte, dass man ein bestimmtes Ergebnis erhält, wenn es so wäre und das dies dann eben auch eine gewisse Beeinflussung enthält.
        Aber ich verstehe dich so, dass es keine Unterschiede geben darf. Bei den von dir angeführten Tomboys liegt ja meist ein höherer Testosteronspiegel vor (viele CAH-Mädchen sind Tomboys).
        Und in dem von dir angeführten Artikel zu Tomboys und Gendervarianz heißt es :

        http://www.nytimes.com/2012/08/12/magazine/whats-so-bad-about-a-boy-who-wants-to-wear-a-dress.html?pagewanted=4&_r=0

        Genetics might also be a factor in gender expression. Researchers have compared the gendered behavior of identical twins (who share 100 percent of their genes) with that of fraternal twins (who share roughly half). The largest study was a 2006 Dutch survey of twins, 14,000 at age 7 and 8,500 at age 10. The study concluded that genes account for 70 percent of gender-atypical behavior in both sexes. Exactly what is inherited, however, remains unclear: the specific behavior preferences, the impulse to associate with the other gender, the urge to reject limits imposed on them — or something else entirely.

      4. @Christian: Unterschiede, die unterschiedliche Behandlung erfordern, wird es in jeder Kindergruppe geben, denn Kinder sind individuell. In den meisten (Berliner) Kitas sind altersgemischte Gruppen inzwischen normal, da hat man eine Gruppe von 8-15 Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren, manche sind Einzelkinder, manche kommen aus Großfamilien, manche haben verschiedene Kulturen und Sprachen im familiären Hintergrund, andere sind noch nie aus ihrem Stadtteil herausgekommen. Bei der Frage, wer von ihnen mit wilden Spielen besser oder schlechter zurechtkommt, ist das Geschlecht wahrscheinlich ein schlechter Indikator – und wäre es auch, selbst wenn in einer (natürlich deutlich größeren) Stichprobe signifikante Mittelwertsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen existieren WÜRDEN (was ich zu bezweifeln wage, da es keine echte Evidenz dafür gibt). Vielmehr würde man den Erzieher*innen empfehlen, doch einfach auf die Kinder und ihre Eigenarten zu achten und Rücksicht zu nehmen, und ihre Vorlieben melden die meisten schon deutlich an.
        Und in der Tat, Puppen und Ritter hinlegen und mal gucken, wer mit was spielt. Von mir aus noch nicht einmal in getrennten Ecken.

      5. Dummerjan · ·

        “ Individualität zu lassen und nicht mehr ist genau, was wir fordern. Nur vermuten wir, dass die statistischen Unterschiede tatsächlich kleiner würden, wenn man endlich mal ernsthaft damit anfinge.“
        Sorgfältiges Überlegen führt aber dann dazu, dass wir das kritisierte unterschiedliche Behandeln der Geschlechter aus denau diesem Grund dann wieder zulassen müßten.

        Begründung: Wenn aufgrund des verzögerten Spracherwerbs durch Testosteron bestiimmte Kinder hier eine intensivere Betreuung benötigen, müßten wir dies gemäß der Aussage zulassen. Nun sind aber vor allem Kinder männlichen Geschlechts der Wirkung des Testosteron ausgesetzt. Und also hat die individualisierte Förderung zur Folge, dass Kinder eben geschlechtsspazifisch behandelt werden, infolge einer individualisierten Behandlung der Kinder.

        Daher ist also die Forderung nach individueller Förderug von Kindern und geschlechtsunabhängige Erziehung ein Widerspruch in sich.

      6. Was spricht gegen eine Förderung aller Kinder mit Spracherwerbsstörung?

      7. „Daher ist also die Forderung nach individueller Förderug von Kindern und geschlechtsunabhängige Erziehung ein Widerspruch in sich.“

        Nein, ist sie nicht. Denn wenn jedes Kind Sprachförderung bekommt, das Sprachförderung braucht, dann ist das keine geschlechtsspezifische Förderung, selbst wenn – aus welchen Gründen auch immer – mehr Jungen als Mädchen speziell gefördert würden.
        Das hätte den Vorteil, dass kein sprachbegabter Junge, sich unnötigem Sprachunterricht aussetzen müsste, nur weil er ein Junge ist, und kein sprachlich schwaches Mädchen die Förderung nicht bekäme, nur weil sie ein Mädchen ist. Damit wäre viel gewonnen. (Denn selbst wenn Testosteron und Sprachfähigkeit in einem kausalen Zusammenhang stünden, ist wohl klar, dass dies ganz sicher nicht der einzige Einflussfaktor wäre und es nie einen 100-prozentige Vorhersage der sprachlichen Fähigkeiten zulassen würde.)

        Und zusätzliche Förderung sehe ich sowieso als nicht unser größtes Problem, zusätzliche Förderung ist selten schlecht. Schlecht wäre, wenn einer Gruppe von Kindern nach irgendeinem Kriterium Förderung entzogen würde, nach dem Motto (um Ihr fiktives Beispiel mal aufzugreifen): „Lass mal lieber die Mädchen in die Bücherecke, Bücher sind doch nichts für Jungen! Jungen können nicht gut lesen. Haut euch lieber mit ein paar Stöcken, damit ihr tüchtige Wachdienstmänner werdet!“ Genau solche Mechanismen sind m.E. zu vermeiden.

      8. @jgoschler

        „Nein, ist sie nicht. Denn wenn jedes Kind Sprachförderung bekommt, das Sprachförderung braucht, dann ist das keine geschlechtsspezifische Förderung, selbst wenn – aus welchen Gründen auch immer – mehr Jungen als Mädchen speziell gefördert würden.“

        Das sind wir uns denke ich einig. Gefördert werden sollte, wer Förderung braucht. Sollte es biologische Unterschiede geben würde eine individuelle Förderung allerdings dazu führen, dass Häufungen auftreten.
        Absolute Neutralität gegenüber diesen Häufungen wird man allerdings von dem Personal nicht erwarten können, wenn diese groß genug sind. Es ist menschlich, dass sich dann gewisse Vorannahmen bilden oder das diese dann als erste Vermutung herangezogen werden, wenn man keine andere Basis hat für eine Einschätzung. Weil dies eben die Art und Weise ist, wie wir unser Denken strukturieren. Ein geschlechtsneutrales Denken ist damit aus meiner Sicht utopisch. Wichtig ist es eher sich daran zu erinnern, dass es kein Essentialismus gibt und es lediglich unwahrscheinlicher ist.

  11. Dass Frauen genau so brutal sein können wie Männer, ist durch die Fälle von Kindstötungen hinreichend belegt. Dass vor allem Jungen unter den willkürlichen Vorschriften leiden, die ihnen Lehrer an staatlichen Zwangsschulen machen, ist durch die regelmäßig erteilten Schulstrafen auch belegt. Aber das alles war doch „früher“ nicht besser. Schlimmer geworden ist höchstens die Darstellung der Männer als Trottel in den Medien, aber da haben es die Frauen oft auch nicht besser. Lassen wir uns also bloß nicht gegeneinander aufhetzen.

  12. @Jgoschler

    Einige Linke setzten traditionell darauf den Geschlechtern ‚alle Qualitativen Differenzen des Lebendigen auszutreiben‘ (Adorno). Und wo der Mainstream Gene, Natur, die Biologie am Werke sieht, wollen diese Linken nur Prägung und Erziehung erkennen.
    Von der ‚Doppelstruktur des Menschen‘ also von der Zugehörigkeit des Menschen sowohl zum Natur als auch zum Gessellschaftszusammenhang wollen sie gar nichts wissen – geschweige denn darüber diskuttieren.

    Und damit rauben sie tatsächlich Individuuen ihre Individualität.

  13. ichpostenuraufhatr · · Antwort

    „Was spricht gegen eine Förderung aller Kinder mit Spracherwerbsstörung?“
    Prima, jetzt wird der gegenüber Mädchen verzögerte Spracherwerb der jedoch völlig normal ist, von Vornherein pathologisiert. Testosteron als Krankheit.
    Das ist doch genau der richtige Geist für unsere Zeit.

    1. Niemand hat für Förderung für Kinder mit „langsamerer“ Sprachentwicklung plädiert, sondern für Förderung für Kinder mit Spracherwerbsstörung. Die ständige Zurschaustellung hilfloser Empörung angesichts der angeblichen Ungerechtigkeiten gegenüber Jungen ersetzt keine Fakten.
      Im Übrigen habe nicht ich die Behauptung aufgestellt, dass Testosteron die Sprachentwicklung verzögert, sondern Kommentator Christian hat eine entsprechende Studie zitiert. Dies ist auch nicht Thema meines Blogbeitrags, also diskutieren Sie diese Fragen doch passenderweise auf Christians Blog, das sich mit ebendiesen Themen auseinandersetzt.

  14. ichpostenuraufhatr · · Antwort

    Ach und noch etwas: Viele Fähigkeiten sind entweder da oder nicht – egal wie gefördert wird. Jedes Kind hat seinen eigenen Fahrplan. Es ist weitestgehend vergebens, normale Entwicklungen „fördern“ zu wollen.
    Das Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht.

  15. Dummerjan · · Antwort

    „Das hätte den Vorteil, dass kein sprachbegabter Junge, sich unnötigem Sprachunterricht aussetzen müsste, nur weil er ein Junge ist, und kein sprachlich schwaches Mädchen die Förderung nicht bekäme, nur weil sie ein Mädchen ist. “
    Denn dies ist nicht die Frage, sodnern ob eine individuelle Förderung nicht das Epiphänomen geschlechtsspezifischer Sonderbehandlung nach sich zieht.

    Es ist doch völlig egal aus welchem Grunde es geschieht: Effektiv würden Jungen tendenzeill stärker in Ihrer Sprachentwicklung beachtet als Mädchen – als Ergebnis individueller Förderung.

    Letzteres soll gemacht werden, ersteres aber nicht stattfinden. Letzteres zieht aber ersteres nach sicht – kausale Implitkation in Logiker-Schwurbelsprache.

    Es ist also eine begriffliche Unmöglichkeit aufgrund kausal biologischer Ursachen individuell zu fördern ohne dabei geschlechtsspezifisch zu fördern.

    „Nein, ist sie nicht. – kann man nur als Reinkarnation des alten „Haltet den Dieb“ oder „immer zwemal mehr wie du“ verstehen.

  16. Wundervoller Artikel!
    Ohne viel sagen zu müssen: Danke für einen wunderbaren Argumentationsgang, klare Worte und eine augenöffnende Meinung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: