Deutschland – Ein ?[Bb]ildungsland

Vor einigen Wochen war ich auf die Open-Mind-Konferenz eingeladen, um über das deutsche Bildungssystem zu reden. Um der unlösbaren Aufgabe gerecht zu werden, in 45 Minuten erschöpfend über die Bildungspolitik verschiedener Parteien und die Resultate der aktuellen (und vergangenen) bildungspolitischen Entscheidungen zu reden, habe ich mich entschieden, mich auf einige wenige Glaubensgrundsätze zu konzentrieren, die unser Schul- und Bildungssystem seit über einhundert Jahren dominieren und dazu führen, dass es ist, wie es ist: Ineffektiv, ungerecht und scheinbar unreformierbar.

Bei der Einschätzung unseres Bildungssystems gehen Selbst- und Fremdwahrnehmung erheblich auseinander. Denn Regierung und regierungsnahe Organisationen glauben entweder selbst an das „Bildungsland“ Deutschland oder wollen es mit markigen Phrasen herbeireden: Die Bundesagentur für Arbeit benutzt seit Mai 2013 das Schlagwort „Bildungsland Deutschland“, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht in Deutschland das „Land der Ideen“ und die Bundeskanzlerin selbst rief bereits 2008, aber auch 2012 wieder die „Bildungsrepublik Deutschland“ aus. Aus diesen Formulierungen spricht die Überzeugung (oder vielleicht auch nur der Wunsch), in Deutschland lebten tatsächlich überdurchschnittlich viele, überdurchschnittlich gut gebildete Menschen, hervorgebracht durch ein hervorragendes Bildungssystem.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland jedoch mit schöner Regelmäßigkeit absolut unterdurchschnittlich ab. International vergleichende Studien wie PISA, IGLU oder die Bertelsmann-Studie „Kompetenzausbildung“ zeigen, dass deutsche Schüler insgesamt schlecht ausgebildet sind (nämlich auf oder unter OECD-Durchschnitt), dass der Leistungsabstand zwischen den schwächsten und den stärksten Schülern in Deutschland im internationalen Vergleich mit am größten ist; dass die Spitzengruppen äußerst klein sind, dass viele Schüler/innen ganz ohne Abschluss bleiben, und dass  der Anteil der Risikogruppen ist in Deutschland besonders groß (ca. 20%) ist – die Grundbildung dieser 20% reicht nur bedingt für die erfolgreiche Bewältigung einer Berufsausbildung aus.

Insofern scheint es treffender, von Deutschland als einem Einbildungsland zu sprechen.

Hier im Blog werde ich mich in einigen Beiträgen einzeln mit den Glaubensgrundsätzen beschäftigen, die das System prägen. Wem diese Texte zum Lesen zu lang sind, kann natürlich auch den Originalvortrag ansehen (leider mit einigen durch technische Pannen hervorgerufenen Lücken).

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