Geldmaschine gegen Gebärmaschine

Gestern erschien in der taz ein Artikel mit dem Titel „Erzeuger und Geldmaschine„. Dort wird die unzureichende Gesetzeslage im Falle von Trennungs- und Scheidungskindern beklagt – oder genauer, die Ungerechtigkeit von Unterhaltspflichten – die vor allem die Väter betrifft. Konkret wird der Fall von „Ralf“ porträtiert.

Die Geschichte von Ralf in Kurzfassung:

Ralf und Claudia haben sich getrennt. Ralf kümmert sich jetzt, nach der Trennung, um seine Kinder jeweils sechs, die Muter acht Tage im Zwei-Wochen-Rhythmus. Eigentlich hätte es genau hälftig verteilt sein sollen, jeder je eine Woche, aber Claudia „kam damit nicht klar“. Vor Gericht hätte sie das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen: Weil sie, als die Kinder kamen, zu Hause blieb und er „das Geld ranschaffte“ und sie somit mehr Zeit mit den Kindern verbrachte, weil sie „das Modell Helikopter“ pflegte. Seinen anderen Erziehungsstil, der auf darauf beruhte, nicht ständig über alles zu wachen, statt dessen die Kinder mehr ausprobieren zu lassen, aber dafür auch mal strengere Ansagen zu machen, hat sie vor Gericht gegen ihn verwandt. Nun muss er jedoch den vollen Kindesunterhalt an die Mutter bezahlen, und das, obwohl er ja fast die Hälfte der Betreuungsarbeit leistet, und damit natürlich auch entsprechende Extra-Kosten für die Kinder tragen muss. Fazit: Das ist ungerecht, denn natürlich hat auch er bei diesem Betreuungsmodell Kosten für die Kinder zu tragen – ein Kinderzimmer mit Ausstattung, Essen und Bekleidung usw. – nur er muss hier zusätzlich den Unterhalt bezahlen (der ja eigentlich dafür gedacht ist, einem alleinerziehenden und damit auch -zahlendem Elternteil einen Teil dieser Kosten zu erstatten). Also folgert Ralf:

Kein Wunder, dass sich Väter vorkommen wie eine Geldmaschine. Wer sich um seine Kinder mehr kümmern will als die üblichen zwei Wochenenden im Monat, wird massiv bestraft.

System sieht Ralf darin, ein System, das gegen ihn und alle Männer arbeitet. Er würde ja gern mehr Zeit mit den Kindern verbringen, sogar Arbeitszeit reduzieren, aber er muss den Unterhalt bezahlen. Deshalb bleibt ihm kein Ausweg, außer:

Schwarzarbeiten, damit er nicht noch mehr Unterhalt zahlen muss. So will es das System.

Ich will „Ralf“ nicht unrecht tun. Er klingt eigentlich, als wäre er ein ganz normaler Typ, in jedem Fall ein Vater, dem seine Kinder nicht egal sind. Aber „Claudia“ kommt in dieser Erzählung wirklich beschissen weg – und dabei klingt es eigentlich auch, als wäre sie vielleicht ganz okay. Da sie überhaupt nicht zu Wort kommt, möchte ich einmal die im Artikel genannten Fakten aus ihrer Perspektive berichten.

Claudia und Ralf haben sich getrennt. Während Claudia sich seit der Geburt der Kinder hauptsächlich um sie gekümmert hat – sie war die erste Zeit ganz zu Hause geblieben und auch später hat sie mehr Zeit in die Kinder investiert – hat Ralf immer weiter gearbeitet. Zwar hat auch er sich um die Kinder gekümmert, aber immer nur, wenn es in seine Arbeitszeit passte. Und auch sonst musste die Kinderbetreuung in Ralfs Leben eingepasst werden, nicht umgekehrt. So ist er zwar mit ihnen auf den Spielplatz gegangen, hat dort aber Zeitung gelesen, statt auch mal den Ball zu kullern oder die Schaukel anzustoßen. Er nannte das „einen anderen Erziehungsstil“ oder „mehr allein ausprobieren“ lassen. Wenn die Kinder dann doch mal störten, wurde er schnell laut – „strenge Ansagen“ nannte er das. Jetzt, nach der Trennung, wollte Ralf sich auf einmal die Hälfte der Zeit um die Kinder kümmern. Eine Woche er, eine Woche sie. Claudia aber hatte Bedenken – so war es bisher nie gewesen, die Kinder waren immer mehr bei ihr gewesen, es geht ihnen gut, sie sind ein gut eingespieltes Team, warum daran etwas ändern? Zumal auch Ralf es bis zur Trennung völlig in Ordnung fand, dass sie die Hauptverantwortung für die Kinder übernahm. Jetzt auf einmal nennt er das das „Modell Helikopter“. Aber gut, sie will nicht unfair sein, auch Ralf soll seine Kinder und die Kinder ihren Vater haben, also einigt sie sich mit ihm auf das Modell „sechs Tage er, acht Tage sie“ – obwohl sie das nicht müsste, denn sie hat das alleinige Sorgerecht. Aber sie möchte ein gutes Verhältnis zwischen Vater und Kindern.
Aber nun beschwert er sich über den Unterhalt: Er mache so viel, da wäre es unfair, dass er Kindesunterhalt in der vollen Höhe zahlen muss. Dass sie auch lange finanzielle Einbußen hatte und wahrscheinlich immer noch hat, weil sie zu Hause geblieben ist bzw. nicht Vollzeit gearbeitet hat, sieht er nicht. Einen Teil seines Verdienstes gibt er sowieso nicht an, sondern arbeitet schwarz – sie und „das System“ zwinge ihn quasi dazu, meint er. Eigentlich würde er angeblich gerne Arbeitszeit reduzieren, aber er meint, das ginge ja nicht, denn wo solle dann das Geld für den Unterhalt herkommen? Dabei müsste er ja weniger Unterhalt zahlen, wenn er tatsächlich weniger arbeiten und verdienen würde.

Soweit die Fakten aus der Perspektive „Claudia“. Leider ist damit die einfache Moral, die der Artikel bis hierher vermittelt hatte – Gesetze und Rechtsprechung müssen sich modernen Gegebenheiten anpassen, damit Väter nicht über Gebühr benachteiligt werden – im Eimer. Ist also eigentlich alles bestens, so wie es ist?

Wahrscheinlich nicht. Natürlich bleibt es ein Fakt, dass moderne Familienmodelle – ob getrennt oder zusammen lebende Eltern – in der Politik wenig berücksichtigt werden.
Eine einfache Änderung des Unterhaltsrechts, bei dem die genauen Betreuungszeiten eins zu eins auf den Unterhalt angerechnet würden, hätte aber einen entscheidenden Haken: Der Streit um die Betreuung der Kinder würde damit sicher in vielen Fällen erst richtig angefacht: Denn jede Stunde Mehrbetreuung wäre bares Geld wert. Man kann sich vorstellen, wie sich dann unter dem Deckmantel der Elternliebe ein erbitterter Kampf um die Betreuungszeiten entzündet – inklusive der Fälle, wo vollmundig angekündigt wird, man würde sich selbstverständlich immer genau die Hälfte der Zeit um die Kinder kümmern, in der Realität diese Bereitschaft dann aber im Falle dringender Termine oder kranker Kinder, die nicht in Schule oder Kindergarten gehen können, schnell abnimmt. Der schwächere Teil in diesem Kampf wäre in jedem Fall der Elternteil, der weniger verdient (vielleicht, weil er oder sie in der Vergangenheit bereit war, die Karriere hinter die Kinderbetreuung zu stellen, die oder der einen Arbeitsvertrag unterbrochen hat, um Elternzeit zu nehmen und deshalb eine Beförderungsstufe verpasst hat, der oder die in Teilzeit arbeitet, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, oder die aufgrund ihres Geschlechts sowieso weniger Gehalt bezieht). Der schwächere Teil wäre außerdem die Person, die einknickt, wenn der andere Elternteil plötzlich verkündet, das Kind wegen eines unerwarteten Arbeitstermins nicht abholen könne oder der unmöglich wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben könne. Dieser Elternteil bliebe dann nämlich im Zweifelsfall auf der Verantwortung und den damit verbundenen Opfern sitzen – ohne Unterhalt. Und den allerschwächsten Part hätte auch in diesem Szenario das betreffende Kind.

Insofern ist eine Trennung zwischen Betreuungszeiten und Unterhaltsverpflichtungen, so künstlich oder auch ungerecht dies manchmal auch aussehen mag, vielleicht doch nicht ganz unvernünftig. Natürlich kann eine Schieflage entstehen – dazu braucht man auch gar keine Extrembeispiele. Denn in jeder Konstellation, in der sich beide getrennt lebenden Elternteile um die Kinder kümmern, egal ob hälftig oder unbalanciert – wenn ein regelmäßiger normaler Umgang gepflegt wird, sind Extrakosten kaum zu vermeiden. Das Kind braucht bei jedem Elternteil ein Zimmer, viele Dinge müssen doppelt angeschafft werden, oft entstehen sogar noch Fahrtkosten vom einen zum anderen Wohnort. Das kann in Einzelfällen hart sein, manchmal vielleicht sogar zu hart.

Aber statt sich über gierige Helikoptermütter und die Unterhaltsregelungen und Familiengerichte, die diese blind unterstützen, aufzuregen, könnte man ja auch einmal in eine ganz andere Richtung denken. Ich will ja gar nicht erst mit auch für Männer (!) attraktiven Teilzeit-Arbeitsmodellen anfangen. Aber wie wäre es denn zum Beispiel mit einer Steuergesetzgebung, die endlich nicht mehr verheirateten Paaren, sondern Eltern – auch getrennt lebenden – Steuervorteile sichert? Wo dann zum Beispiel ein Vater auch das Kinderzimmer, das er unterhält, zusätzlich zu seinen Unterhaltszahlungen als besondere Belastung steuerlich geltend machen könnte? Oder ein Elterngeld, das nicht von vornherein suggeriert, der weniger verdienende Elternteil solle doch lieber ganz zu Hause bleiben – und damit eine Rollenverteilung einleitet, die vielleicht manch einer nicht mehr so will?

Vielleicht wäre das ja ein wirklicher Schritt zur Versöhnung im kalten Krieg zwischen Geldmaschine und Gebärmaschine. Und somit im Sinne des Kindeswohls.

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30 Kommentare

  1. Der schwächere Teil in diesem Kampf wäre in jedem Fall der Elternteil, der weniger verdient (vielleicht, weil er oder sie in der Vergangenheit bereit war, die Karriere hinter die Kinderbetreuung zu stellen, die oder der einen Arbeitsvertrag unterbrochen hat, um Elternzeit zu nehmen und deshalb eine Beförderungsstufe verpasst hat, der oder die in Teilzeit arbeitet, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, oder die aufgrund ihres Geschlechts sowieso weniger Gehalt bezieht). “

    Das kann man ja zB anderweitig ausgleichen. Bereits jetzt werden ja neben der Ehedauer im nachehelichen Unterhaltsrecht auch die „ehebedingten Nachteile“ bei Höhe und Länge des Unterhalts berücksichtigt.

    Zu einer Neuregelung hätte ich auch noch ein paar Ideen:
    http://allesevolution.wordpress.com/2012/02/18/ideen-zur-anderung-des-familienrechts/

    1. Zugewinn

    Ein Ausgleich findet nur dann statt, wenn ehebedingte Nachteile bestehen. Ehebedingte Nachteile sind Verdienst- und Vermögensausfälle, die dadurch entstanden sind, dass einer der Ehepartner im Einverständnis beider Ehegatten Aufgaben innerhalb der Ehe übernommen hat und daher finanzielle Einbußen hatte.

    Sofern beide Ehegatten in Vollzeit gearbeitet haben wird vermutet, dass ehebedingte Nachteile nicht entstanden sind.

    Sind ehebedingte Nachteile entstanden, so sind diese auszugleichen. Die Grenze bildet der Halbteilungsgrundsatz.

    2. Kindesunterhalt

    Kindesunterhalt bei minderjährigen Kindern wird dahingehend modifiziert, dass beide Eltern gegenüber dem Kind barunterhaltspflichtig sind. Bei der Berechnung der Anteile ist der Betreuungsaufwand und das Alter des Kindes zu berücksichtigen.

    (Erläuterung: Bis zu einem Alter von 3 jahren wird meist eine Vollzeitbetreuung erforderlich sein, deswegen wird kein Einkommen angerechnet. Bei einer Halbtagsstelle ist anzunehmen, dass diese unter dem Selbstbehalt liegt oder nur ein kleiner Teil angerechnet werden kann. Ab einer Vollzeitstelle muss aber ein Anteil übernommen werden. Grund: die Mutter eines 17 jährigen, die in Vollzeit arbeitet, sollte sich am Unterhalt beteiligen. Sie kann sich ab einem gewissen Alter des Kindes nicht mehr darauf berufen, dass die Betreuung gleichwertig ist. So wird zudem eine größere Berufstätigkeit der Mutter gefördert (über die gesteigerte Erwerbsobliegenheit gegenüber Minderjährigen, die Zurechnung eines fiktiven Einkommens etc).

    3. nachehelicher Unterhalt

    Nachehelicher Unterhalt wird nicht nach den ehelichen Lebensverhältnissen, sondern als Nachteilsausgleich gezahlt. Es gilt das zum Zugewinn ausgeführte. Hat also ein Krankenpfleger eine Oberärztin geheiratet und dann die Kinder betreut, dann kann er nur verlangen, so gestellt, zu werden, wie er auch stehen würde, wenn er die Kinder nicht betreut hätte, also als Krankenpfleger mit den potentiellen Karriereoptionen, wenn diese dargelegt werden können.

    Sofern beide durchgehend Vollzeit gearbeitet haben wird vermutet, dass ein Nachteil nicht eingetreten ist.

    Auch die fehlende Erwerbsobliegenheit im Trennungsjahr würde ich bis zu einem gewissen Grad aufheben
    http://allesevolution.wordpress.com/2014/01/04/erwerbsobliegenheiten-im-trennungsjahr/

    „Aber wie wäre es denn zum Beispiel mit einer Steuergesetzgebung, die endlich nicht mehr verheirateten Paaren, sondern Eltern – auch getrennt lebenden – Steuervorteile sichert? Wo dann zum Beispiel ein Vater auch das Kinderzimmer, das er unterhält, zusätzlich zu seinen Unterhaltszahlungen als besondere Belastung steuerlich geltend machen könnte?“

    Finde ich auch keine schlechte Idee

  2. hallo dr. mutii, ich muss dich leider enttäuschen. hier spricht ralf. wir waren nicht verheiratet. und ich habe auch nicht vollzeit gearbeitet, während wir zusammen gelebt haben. sie war hartz iv empfängerin, hat also in etwa so viel geld wie ich beigesteuert. gegen ende hat sie eine ausbildung gemacht wobei ich sie unterstützt habe. wobei ich nicht finde, dass das einen unterschied macht. wenn sich ein paar anders als wir entscheidet, das versorgermodell zu leben, sollte es dennochnnach einer trennung möglich sein, auf das paritätische modell zu wechseln. ich habe ihr von anfang an gesagt, dass ich nicht mehr leisten kann als für mich und die halben kosten der kinder zu sorgen. in diesem artikel geht es um eine ungerechtigkeit im unterhaltsrecht, die, weil mir die kosten die mir für die kinder wenn sie bei mir sind entstehen, nicht angerechnet werden, mich in die bedürftigkeit treiben. ich zahle 340 euro für die kinder wenn sie bei mir sind. 360 euro unthalt an die mutter. dazu kommen noch ca. 180 euro kindergeld, die mir vom unterhalt abgezogen werden und an die mutter gehen. dh. ich zahle pro monat insgesamt 880 euro unterhalt für die kinder. was nach düsseldorfer tabelle in meiner gehaltsklasse der volle unterhalt für 2 kinder ist. dann noch 600 euro miete. rechne dann noch 200 euro für versicherungen, telefon, etc. und du bist in etwa bei meinem nettogehalt. es bleibt für mich also nichts zum leben übrig. ich bin jetzt zum jobcenter gegangen. die müssten mir ca. 100-200 euro im monat als aufstocker bezahlen. der antrag wurde erst abgelehnt. ich habe widerspruch eingereicht. aber selbst wenn das durchgeht, wird das geld hinten und vorn nicht reichen. ich kann die situation aber auch nicht durch einen nebenverdienst ausgleichen, weil ich wegen meines geringen einkommens “reduzierten” unterhalt zahle und er sofort erhöht würde, wenn ich mehr verdiene. wenn ich also die situation für mich und die kinder verbessern will, bliebe mir nur schwarzarbeit. dieses gesetz ust einfach falsch und nimmt sicher einigen männern den mut, sich paritätisch um die kinder zu kümmern. es muss geändert werden. und auch wenn ich helikopterELTERN nicht mag, habe ich keinerlei interesse am kalten geschlechterkrieg. das sind alles dinge, wie sie auch einer frau passieren können. aber IN DER REGEL passieren sie halt eher dem mann. einen freundlichen gruss.

    1. Lieber „Ralf“ – warum sollte mich Ihr Kommentar enttäuschen? Er widerspricht ja in nichts dem, was ich geschrieben habe.
      Oder sollte ich enttäuscht sein, weil Ihr Kommentar noch widersprüchlicher ist als das, was im Artikel behauptet wird? Oder mich wundern, wie 2 x 360 Euro = 880 Euro sind:

      „360 euro unthalt an die mutter. dazu kommen noch ca. 180 euro kindergeld, die mir vom unterhalt abgezogen werden und an die mutter gehen. dh. ich zahle pro monat insgesamt 880 euro unterhalt für die kinder.“

      (Kindergeld, das an den Empfänger des Unterhalts geht, wird dem Unterhaltszahler hälftig auf den Unterhalt angerechnet, er/sie muss also entsprechend weniger zahlen. D.h. Sie zahlen eben NICHT 880 Euro oder 900 Euro, die es korrekterweise ohne Anrechnung des halben Kindergelds sein müssten, sondern 720 Euro.)

      Oder mich fragen, warum man, wenn man den „vollen Unterhalt“ für zwei Kinder zahlt, Angst haben muss, nicht mehr den reduzierten Unterhalt zu zahlen.

      Aber nein, auch das enttäuscht mich nicht, denn diese Art, sich Dinge hinzurechnen, so dass sie passen, kenne ich von vielen. Unabhängig davon verstehe ich aber Ihr finanzielles Problem, damit sind Sie ja nicht allein. Genau das schreibe ich ja auch im Blogbeitrag und versuche, Lösungsvorschläge zu machen. Insofern führen die genauen Details Ihres Einzelbeispiels auch nicht viel weiter.

      1. „(Kindergeld, das an den Empfänger des Unterhalts geht, wird dem Unterhaltszahler hälftig auf den Unterhalt angerechnet, er/sie muss also entsprechend weniger zahlen“

        Das wirkt sich aber nur oberhalb des Selbstbehaltes aus. Ansonsten hat er wenig davon, es wird dann nur fiktiv angerechnet

      2. liebe dr. mutti, ich erläutere die situation jetzt noch einmal genauer: ich habe die beiden kinder 6:8 und in den urlauben die hälfte der zeit. das sind im schnitt 13,56 Tage pro Monat. Ich verdiene 1700,- EUR netto pro monat. für miete zahle ich 610,- EUR / monat. ich gebe für die kinder wenn sie bei mir sind aufs jahr umgerechnet 350,- EUR / monat aus. das wird von der unterhaltsstelle des jugendamtes nicht berücksichtigt. ich zahle wegen selbstbehalte und verminderter leistungsfähigkeit 360,- EUR reduzierten unterhalt an die mutter. dazu kommen noch die 187 EUR halbes kindergeld, die eigentlich mir zustünden, aber auch an die mutter gehen. macht zusammen 547 euro – die mutter bekommt ihre aufwendungen fast vollständig von mir bezahlt, ausserdem noch ihre hälfte des kindergeldes und weitere zuwendungen erhält sie vom jobcenter – dh. ich begleiche in etwa den kompletten unterhalt für die kinder, egal ob sie bei ihr sind oder bei mir. für den rest bleiben mir 380 euro. nach abzug von strom, telefon, versicherungskosten, etc. sind es noch -39,80. für mich bleibt also zum leben: weniger als nichts. mein dispo ist kurz vor anschlag. ich habe jetzt erfolgreich hartz IV/SGB II beantragt und bekomme dann wohl demnächst ein paar euro dazu. das hat die mutter geärgert, denn ihre leistungen wurden dort gekürzt, sie hatte vergessen die zeiten anzugeben, in denen die kinder bei mir sind. zuviel zum sterben und zu wenig zum leben. wenn ich die situation für mich und die kinder verbessern möchte, muss ich gleich eine menge mehr verdienen, alles bis zu einer gewissen grenze gleich zu einer kürzug des jobcenter-geldes bzw. erhöhung des unterhaltes führen würde. in meinen ausgaben für die kinder ist bekleidung nicht enthalten. die kann ich nicht mehr kaufen. obwohl ich gern würde. aber bekleidung macht auch einen eher kleinen teil der monatlichen kosten aus. finanziell bleibt mir so keinerlei bewegungsmöglichkeit. und natürlich merken die kinder, daß die mutter mehr für sie ausgeben kann. dort gibts eisdiele, hier eis von aldi, dort fährt mama alle paar wochen mit ihnen im auto aufs land, wir gehen in den park, etc…
        für mein dafürhalten ist die gesamte deutsche rechtsprechung sowohl was sorge als auch umgang angeht ein grosser haufen mist, der auf dem rücken der kinder abgeladen wird (beispiel: dass nicht funktionierende kommunikation dazu führt, dass vor gericht derjenige die kinder noch häfiger bekommt, der sie eh schon länger hat, hat nicht selten zur folge, daß die kommunikation boykottiert wird. die einzigen die daunter leiden sind die kinder). manchmal trifft das auch mütter, aber in der regel die väter. ich habe ja noch „glück“ gehabt.

        @margret: in unserem fall hat der richter die zeit fast so gelassen wie sie war. den einen tag mehr pro woche habe ich der mutter ursprünglich zugestanden, weil sie mir sagte, sie halte es nicht so lange aus ohne die kinder. dieselbe regelung, obwohl mein sohn gesagt hat, dass er gern bei uns beiden gleich lang wäre. meine tochter hat damals gesagt sie wäre gern etwas mehr bei der mutter. das hat mich nicht gewundert. ihre mutter hat nach der trennung ihren schmerz und ihre wut kaum vor den kindern zurückgehalten. mein sohn war noch zu klein als das ihn das arg hätte mitnehmen können, aber meine tochter hat irgendwann angefangen sich sorgen um ihre mutter zu machen. sie hat mir mehrfach gesagt sie habe angst, daß ihre mutter „so allein“ wäre und „sich wehtun“ könne. deutsche familienrichter entscheiden niemals ein paritätisches wechselmodell. was in unserem fall das einzig richtige gewesen wäre. in letzter zeit gibt es da ein paar positive entscheidungen, aber das bleibt die ausnahme.

        gruss,
        ralf

      3. ps: es muss natürlich „unterhalt und umgang“ heissen. was die sorge angeht hat sich ja zum glück einiges geändert. ich habe übrigens inzwischen die gemeinsame sorge für beide kinder.

      4. pps: du gehst von 880 eur unterhalt für beide kinder aus. das ist aber der der komplettunterhalt für beide kinder, also das was eine person für beide kinder braucht, die beide kinder auch die gesamte zeit hat. das unterhaltsrecht geht „um den gerichten die arbeit zu erleichtern“ davon aus, daß sobald ein elternteil die kinder auch nur etwas weniger hat, dieses elternteil den komplettunterhalt zu zahlen hat. genau das ist das problem. genau das macht eltern, die ihre kinder in grossem umfang betreuen, aber viel zahlen müssen, das leben schwer. die mutter hat die kinder einen tag pro woche mehr. dafür bin ich bereit zu zahlen. auch für die hälftige übernahme anderer kosten die die mutter unbedingt für die kinder übernehmen will. ich komme da aber auf ca. 150 eur / monat und nicht auf 547.

      5. Lieber Ralf, Ihre endlosen Berechnungen sind ja schon nicht so besonders interessant, da sie nichts Inhaltliches zu dem bereits Gesagten hinzufügen. Aber wenn man schon rechnet, dann richtig. SIE ZAHLEN IHRER EXFRAU KEIN KINDERGELD. Kindergeld bekommt man vom Staat. Ob Sie die Hälfte davon bekommen, ist in diesem speziellen Fall egal – Sie könnten es bekommen, dann müssten Sie entsprechend mehr Unterhalt zahlen, oder Ihre Exfrau bekommt es direkt, dann müssen Sie entsprechend WENIGER Unterhalt zahlen.

        Lieber Alles-Evolution, Ihr Kommentar ist damit ebenso sinnlos.

        Die Unkenntnis dieser recht grundlegenden Fakten zum Unterhalt lassen mich einfach daran zweifeln, dass Sie tatsächlich in dieser Situation sind, die Sie da beschreiben. Entweder Sie unterliegen da einer merkwürdigen Wahrnehmung Ihrer eigenen Lage, oder das Ganze ist sowieso schlicht erfunden.

    2. liebe jgoschler, ich wollte mit meinem text einfach nochmal ganz deutlich zeigen, wo die ungerechtigkeit im system steckt, da mir ihre ausführungen mangelnde sachkenntnis gezeigt haben. insofern denke ich schon, dass sie eine erweiterung des gesagten waren. ich habe auch nicht gesagt, dass ich der mutter das kindergeld zahle. dieses kidnergeld wird jedoch auf den unterhalt angerechnet. dh. es wird dafür verwendet und kan als teil des kindesunterhalts gesehen werden. dieses kindergeld müsste beiden eltern zustehen.vor allem wenn die kinder ganz der nahezu häftig bei beiden eltern leben. ich habe ihnen die real existierende situation beschrieben. sie scheinen nicht zu verstehen, dass die unterhaltsberechnung der düsseldorfer tabelle den gesamtunterhalt für die versorgung eines kindes zugrunde legt und daß dieser in wechselmodell(artigen) regelungen selbstredend gerecht aufgeteilt werden müsste. und es nicht fair ist, wenn in einer 6:8 regelung das eine elternteil monatlich 710 eurofür die versorgung der kinder zahlt, der andere aber 734 euro pro monat (incl. kindergeld) ERHÄLT. ihre einschätzung daß mein kommentar sinnlos ist teile ich nicht. sie zeugt in meiner augen nur von einer unangemessenen ignoranz eines realen, nämluich meinen settings gegenüber. deren ursache mir vollkommen unverstzändlich ist. ich sage nicht, dass es nur männern so geht. es geht hier nicht um einen geschlechterkampf, sondern um eine missratene gesetzgebung, die menschen in die bedürftigkeit treibt und sich negativ auf kinder auswirkt.

      einen schönen gruss,
      ralf

      1. Lieber Ralf, vielleicht würde es helfen, wenn Sie den eigentlichen Blogbeitrag (noch) einmal gründlich lesen. Dort sage ich wörtlich: „Natürlich kann eine Schieflage entstehen – dazu braucht man auch gar keine Extrembeispiele. Denn in jeder Konstellation, in der sich beide getrennt lebenden Elternteile um die Kinder kümmern, egal ob hälftig oder unbalanciert – wenn ein regelmäßiger normaler Umgang gepflegt wird, sind Extrakosten kaum zu vermeiden. Das Kind braucht bei jedem Elternteil ein Zimmer, viele Dinge müssen doppelt angeschafft werden, oft entstehen sogar noch Fahrtkosten vom einen zum anderen Wohnort. Das kann in Einzelfällen hart sein, manchmal vielleicht sogar zu hart.“ Ich erkenne also durchaus die Problematik Ihres Falls an. Noch mehr Mitleid bekommen Sie ja auch schon in der taz, da brauche ich ja nicht auch noch über Ihren Fall zu jammern.

        Der Punkt meines Blogposts war, dass der taz-Artikel einseitig ist. Er stellt nur die eine Seite der Geschichte dar – und das wird nicht besser, wenn wir NOCH MEHR über diese – Ihre – Seite erfahren. Zumal ich ja auch ausdrücklich sage, dass die aktuelle Gesetzgebung Schieflagen und Härtefälle produziert, über die es sich nachzudenken lohnt. Aber sicher nicht, indem man einseitig gegen die andere Seite schießt – und das passiert zumindest implizit in dem taz-Artikel. Ich mache dagegen in meinem Post Verbesserungsvorschläge, die Ihnen (und Ihrer Exfrau) zugute kämen.

        Insofern tragen Ihre Rechenexempel sowieso nichts Weiterführendes bei. Aber sie sind außerdem auch noch irreführend, denn Sie addieren Kosten, die Sie konkret haben und tragen und virtuelle Kosten (Geld, das Ihnen Ihrer Meinung nach zustünde). Deshalb habe ich an dieser Stelle widersprochen. Ich stimme Ihnen zu, dass Kindergeld beiden Elternteilen zusteht – sofern sich beide um die Kinder kümmern (selbst, wenn der eine Teil das nur finanziell tut). Und de facto ist es ja auch so, dass das Kindergeld auf beide Eltern aufgeteilt wird, eben indem es vom Unterhalt des Zahlungspflichtigen ABGEZOGEN wird – denn nichts anderes heißt es ja, dass es darauf angerechnet wird. Und da sollte man dann auch korrekt bleiben. Dass Sie selbst finden, Sie wären eigentlich nicht zahlungspflichtig, steht auf einem anderen Blatt – bzw. siehe oben.

  3. Ich kann es einfach nicht begreifen, warum der Staat Menschen, die Kinder aufziehen steuerlich schlechter stellt als Menschen, die einfach nur verheiratet sind.
    Aber warte, die haben einfach eine bessere Lobby. Klar, dann steht es ihnen ja auch zu. Schließlich möchte der Staat die Ehe schützen.

  4. […] finde das Blog von ‘Dr. Mutti’ toll. Deswegen hier eine Leseempfehlung zu einem Text, in der sie sich mit einem taz-Artikel zu Unterhalt und Väterrechten, personifiziert von der Figur […]

  5. „Vor Gericht hätte sie das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen“
    Ich kann solche Entscheidungen nachvollziehen wenn einer der Eltern Drogen-, Alkoholprobleme hat oder die Kinder misshandelt werden, aber warum soll einem der Eltern das Sorgerecht entzogen werden nur weil sich die Eltern nicht mehr verstehen. Das ist in meinem Augen nicht gut für das Kindeswohl.

    „Der schwächere Teil wäre außerdem die Person, die einknickt, wenn der andere Elternteil plötzlich verkündet, das Kind wegen eines unerwarteten Arbeitstermins nicht abholen könne oder der unmöglich wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben könne.“
    Dieses Verhalten zeugt einfach nur von Unreife. Vielleicht sollte dieses Elternteil einfach mal überlegen warum es so etwas mich sich machen lässt und nicht die Schuld bei dem anderen suchen.

    „Aber wie wäre es denn zum Beispiel mit einer Steuergesetzgebung, die endlich nicht mehr verheirateten Paaren, sondern Eltern – auch getrennt lebenden – Steuervorteile sichert?“
    Die Lohnsteuerklasse 2 (Alleinerziehende Eltern) ist die mit den wenigsten steuerlichen Abzügen!

    „Oder ein Elterngeld, das nicht von vornherein suggeriert, der weniger verdienende Elternteil solle doch lieber ganz zu Hause bleiben – und damit eine Rollenverteilung einleitet, die vielleicht manch einer nicht mehr so will?“ Die Aussage ist so nicht korrekt. Wenn man die 14 Monate Elterngeldregelung nimmt bekommt man als Elterngeld quasi das was man sonst ca. Netto hatte. Somit ist es egal ob einer 12 Monate zuhause bleibt und der andere 2 Monate oder beide 7 Monate. (Ausnahme: man erhält den Maximalbetrag aber dann sollte Geld nicht das Problem sein)
    Wenn man mehr als 14 Monate zuhause bleiben will dann muss man für diese Entscheidung auch die negativen Konsequenzen in kauf nehmen.

    1. Berit · · Antwort

      Hallo Max, wie kommst du bei einem Anteil von 65% der einem ca vom bereinigten (!) Nettogehalt zusteht auf das ca gleiche Netto das man sonst hat?

    2. Man kann es natürlich „unreif“ finden, in einer Situation, in der das Kind beispielsweise vom Kindergarten abgeholt werden muss, ein Elternteil aber dieser Aufgabe aus bestimmten Gründen nicht nachkommt (etwa, weil der Chef eine dringende Aufgabe vergeben hat), nachzugeben, seine eigenen Termine abzusagen oder hintenanzustellen. Ich weiß zwar nicht, was „reif“ daran wäre, es darauf ankommen zu lassen, dass das wahrscheinlich verstörte und verängstigte Kind von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter des Jugendamts zu Hause abgeliefert oder in eine Notdienststelle gebracht wird, aber sicher, es wäre eine Handlungsoption, die zeigt, dass man „so etwas nicht mit sich machen lässt“.

  6. Benno Weiser · · Antwort

    Der Ausgangsartikel und der Kommentar hier bringt es doch auf den Punkt:

    Fürsorgliche Väter werden hart bestraft. Auch wer sich schon in der Elternzeit gleichberechtigt beteiligte, wird zur Geldmaschine gemacht.

    Wäre „Ralf“ doch lieber Sonntagspapa geblieben und hätte die Mutti allein alleinerziehen lassen.

    Aber so werden die Männer eben ausgebeutet: Aus ihrer Wertschöpfung nimmt der Staat die Steuer, die Banken die Zinsen und die Frauen werden mit titulierten Ansprüchen und Mütterrenten über den Kinderbesitz versorgt, damit sie die Männer immer schön zum malochen anhalten. Die Umverteilung von fleißig zu (kapital)reich und (anspruchs)reich.

    Die Versöhnung im kalten Krieg zwischen Geldmaschine und Gebärmaschine wird es erst geben können, wenn Frauen ungefähr die Hälfte zum Steueraufkommen beitragen. Und wenn Männer und Frauen gemeinsam den Kapitaldienst am Zinskapital verweigern.

    Solange Frauen an den eingeräumten Pfünden profitieren, wird es nur möglich sein, indem sich Männer der Wertschöpfung verweigern.

    1. Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis hier jemand mit den üblichen maskulistischen Talking Points aufschlagen würde. Für diejenigen meiner Leser/innen, denen das nicht zu simplistisch und durchsichtig ist, schlage ich folgende Aufgabe vor:

      „Lesen Sie den Kommentar von Herrn Weiser und beantworten Sie folgende Fragen:
      1. Inwiefern wird Fürsorglichkeit in unserem System bestraft? Gilt das nur für Männer, oder generell für Menschen, die die Verantwortung für andere – z.B. Kinder oder pflegebedürftige Angehörige – übernehmen?
      2. Bringt Fürsorglichkeit für andere Menschen nur Nachteile, oder kann man dadurch auch etwas gewinnen?
      3. Stimmen Sie der Einschätzung zu, dass generell Frauen Männer „zum Malochen anhalten“? Gibt es vielleicht auch Bereiche, wo das tendenziell nicht so, oder sogar umgekehrt ist?
      Diskutieren Sie und schreiben Sie eine Erörterung zum Thema!“
      ABER: Bitte nicht auf diesem Blog.

  7. Magdalene · · Antwort

    Ich finde Ihren Artikel fehlerhaft. So darf der Vater zum Beispiel gar nicht seine Arbeitszeit reduzieren, wenn sich dann der Unterhalt verringern würde. Sie gehen von Falschannahmen aus.

    Und ich würde Sie bitten, diesen Fall durchzuexerzieren für den doch durchaus denkbaren Fall, dass es sich umgekehrt um einen Hartz4-Empfänger handelt dessen Freundin berufstätig ist. Kinder bekommt nach ihrer Logik dann der Vater, weil er die Kinder mehr gesehen hat, weil die Mutter so doof war zu arbeiten damit die Familie nicht ganz in Bedürftigkeit abrutscht… die Mutter darf sich dann fast hälftig um die Kinder kümmern, muss aber vollen Unterhalt bezahlen, und darf nicht in Teilzeit um mehr Zeit für ihr Kind zu haben, weil der Unterhalt dann weniger würde. Auch wenn sie vorher wegen der Kinder in Teilzeit war. Und das ist alles richtig und gerecht, weil derjenige der sich um Berufstätigkeit kümmert ja automatisch die Kinder vernachlässigt, und der dem Geldverdienen unwichtig ist automatisch belohnt gehört….. na?

    Ich finde man sollte sehr vorsichtig sein mit seinen Wünschen. Ihre „Gerechtigkeit“ ist nur so lange „gerecht“ wie Sie annehmen dass es die Mütter sind die zu Hause bleiben. Das ist aber falsch, selbst das Elterngeld dient genau umgekehrt dazu, zu ermöglichen dass auch das besser verdienende Elternteil eine Auszeit fürs Kind nehmen kann. Elterngeld steht jedem Elternteil für 7 Monate zu, jede andere Aufteilung beruht NUR darauf, dass das eine Elternteil dem anderen seine Ansprüche überträgt… Es scheitert oft an den Mamas, die in der Zeit wo der Papa zu Hause wäre dann selbst ebenfalls zu Hause bleiben und eben nicht verdienen gehen wollen…

    Und: das in anderen Ländern durchaus erfolgreich praktizierte und bewährte 50-50 Modell für Scheidungskinder ist FÜR KINDER nachweislich das beste – da hat es egal zu sein, ob das „schlechter verdienende“ Elternteil dann durch sein „schlechter Verdienen“ wenig Geld hat. Eltern sind Erwachsene und selbst für ihren Unterhalt, ihre Ausbildung und Berufstätigkeit verantwortlich.

    Und das besser verdienende Elternteil, der beispielhafte Ralf, könnte in vielen Konstellationen auch die Mama sein… Gleichberechtigung ist keine Einbahnstrasse, und die Rechte die man für Mütter reklamiert, muss man auch Vätern zugestehen können. Wenn das Beispiel mit umgekehrten Rollen nicht schmeckt, so ist es ein Beleg dafür dass da ein Denkfehler drinsteckt…

    1. Ich frage mich nur, woraus Sie ableiten, dass ich Rechte nur für Mütter fordere oder dass mir das umgekehrte Beispiel „nicht schmeckt“. Bevor Sie anderen Leuten Denkfehler unterstellen, sollten Sie sehr genau lesen.

  8. Glupschi · · Antwort

    “Vor Gericht hätte sie das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen”

    Bestand vorher ein gemeinsames Sorgerecht?
    Falls ja, frage mich, wie das vom Familiengericht begründet worden ist? Ist die Entscheidung des Gerichts schon ein paar Jahre alt?
    Ich arbeite im Frauenhausbereich, und aktuelle Fälle vorm Familiengericht, die ich mitbekomme, zeichnen ein ganz anderes Bild: selbst bei massiver Gewaltanwendung gegenüber der Kindsmutter erhält diese nicht das alleinige Sorgerecht, wenn die Gewalt „nur“ ihr galt und die Kinder nicht (direkt) misshandelt worden sind. Von gewaltfreien Trennungen ganz zu schweigen. Ein Entzug des Sorgerechts lässt sich von Seiten des Familiengerichts eigentlich nur mit nachgewiesener Kindeswohlgefährdung begründen.

    1. Ja, das ist mir auch aufgefallen – die Story stimmt halt vorn und hinten nicht. Aber wir bekommen eben nur die eine Seite präsentiert, deshalb ist es schwer, dazu etwas zu sagen.

  9. Magdalene · · Antwort

    Wäre für Sie das Beispiel denn wirklich genauso, wenn Ralf eine Frau wäre? Mama in Teilzeit die alleine für den Familienunterhalt sorgt? Sollen ihr dann die Kinder weggenommen werden, damit der schlechter verdienende Hartz4-Papa nicht im Nachteil ist? Soll sie sich 6 von 14 Tagen neben dem Job um die Kinder kümmern und dennoch vollen Unterhalt an Papa zahlen und dafür dann Vollzeit arbeiten müssen und nicht in Teilzeit dürfen, damit sie mehr Zeit für ihr Kind hat, weil ja dann die Unterhaltszahlung weniger würde? Wäre das gerecht?

    1. Es wäre wirklich hilfreich, wenn Sie meinen Beitrag einmal genau lesen würden. Aber im Prinzip: Ja, es ist mir egal, ob der/die Unterhaltspflichtige der Mann oder die Frau ist. Jemandem Kinder „wegzunehmen“ ist aber etwas anderes, als eine Betreuungszeit von sechs von vierzehn Tagen auszumachen. Und mein Vorschlag zur Abmilderung einer möglichen ungerechten finanziellen Belastung – nun, die steht im Beitrag. Müssten Sie halt lesen. Bis zum Ende.

  10. Magdalene · · Antwort

    Glupschi, bei “ nachgewiesener Kindeswohlgefährdung“ hätte der Vater sicher nicht das 6 zu 8 Tage Modell zugesprochen bekommen. Und wo wir bei Unterstellungen sind: das schlechter verdienende Elternteil verdient nicht zwingend deswegen schlechter, weil es seinem Kind zuliebe ausgesetzt hat – vielleicht verdient die Person weniger, die bereits in ihrer Jugend die Weichen in Richtung wenig lukrativer Job gelegt hat, wenig Wert aufs Lernen und Arbeiten gelegt hat? Sich, kurz gesagt, weniger angestrengt hat, lange bevor sich die Kinderfrage überhaupt gestellt hat?

    1. Glupschi · · Antwort

      Ich habe hier mit keinem Wort gesagt, dass „Ralf“ seine Kinder misshandelt. So viel zum Thema Unterstellungen. Wenn das Gerichtsurteil z. B. schon 5 Jahre alt ist, dann wäre es ein kleines aber feines Detail, das hier weggelassen wurde, da die aktuelle Rechtspraxis nun mal nicht mehr so aussieht, v. a. seit den Änderungen im SGB VIII vom August 2013.
      Außerdem wir das Gericht wohl kaum das Sorgerecht entziehen und gleichzeitig einen Umgang von 6 Tagen alle zwei Wochen festschreiben- das ergibt überhaupt keinen Sinn, meinen Sie nicht auch?

  11. Magdalene · · Antwort

    Also wenn derjenige, der sich im Berufsleben mehr angestrengt hat, automatisch dafür bestraft werden soll, indem er auch dann an denjenigen, dem die Erwerbstätigkeit egal war unterhalt zahlen muss – selbst wenn sich beide nahezu hälftig um die Kinder kümmern – dann geht es Ihnen in letzter Konsequenz nicht um die Kinder und nicht um die Gleichberechtigung, sondern darum das Hausfrauenmodell zu rechtfertigen, notfalls unter veränderten Vorzeichen… das zumindest wären die logischen Folgen. Ich habe übrigens Ihren Text gelesen und verstanden, meine Kritik hat keineswegs damit zu tun dass ich sie nicht verstehe – vielleicht überblicke ich nur die Konsequenzen Ihres Gedankens weiter als Sie…

  12. Benno Weiser · · Antwort

    Dass es einen Zusammenhang von Ökonomie und Rollenverteilung gibt, schreiben Sie ja selbst. Warum das nun „maskulistisch“ sein soll, erschließt sich mir nicht.

    Natürlich wird Fürsorglichkeit für andere Menschen an vielen Stellen schlecht oder gar nicht honoriert – unbestritten. Nur hier ging eben um die Situation eines sich um die Kinder kümmernden und mitbetreuenden Vaters, der emminente Nachteile hat gegenüber dem Vater, der sich einfach aus dem Staub macht.

    Ich selbst habe in ähnlicher Situation wie „Ralf“ sehr radikale Konsequenzen gezogen. Das Familiengericht verlangte wegen gesteigerter Erwerbsobliegenheit „mindestens 48 Stunden“ und hat mich zu sog. „vollem Mindestunterhalt“ verurteilt, obwohl die Kinder tatsächlich an 14 von 30 Tagen des Monats bei mir sind.

    Jedoch arbeite ich konsequent weiter Teilzeit und habe dort etwa 940 Euro. Weil ich Zeit für die Kinder will und mich so wenig wie möglich an der Bankenrettung beteiligen möchte.

    Davon zahle ich nun 544€ Kindesunterhalt an die Mutter. Zusätzlich erhält sie 368€ Kindergeld und gilt steuerlich (und bei anderen Sozialprogrammen) als „alleinerziehend“. Sie hat also an 16 Tagen des Monats 28,50€ pro Tag und Kind zur Verfügung.

    Im Ergebnis muss ich beim Jobcenter aufstocken. D.h. nach Abzug von Kindesunterhalt und Freibetrag bleiben 116€ von meinem Einkommen übrig. Dann wird meine Armut wieder durch Sozialleistungen behoben, indem ich aufstockend rund 1095€ vom Jobcenter erhalte. Damit kann ich die Miete und meinen Bedarf decken. Und ich erhalte dabei immerhin 8,70€ pro Tag und Kind.

    Dafür muss ich ordentlich Bürokratie erledigen, stehe ständig unter der Kontrolle dieser Behörde und bin natürlich Steuerklasse1 und gar nicht alleinerziehend.

    Die Differenz von 28.50 zu 8.70 für die Tage der Kinder Kinder soll mir mal irgend jemand nach den Regeln der allgemeine Fairness erklären.

    Wenn man mich nach Vorschlägen fragen würde: Unterhaltspflicht abschaffen – existenzsicherndes bedarfsdeckendes Kindergeld einführen, welches hälftige an die Eltern gezahlt wird. Soweit die tatsächliche Betreuung von der Hälftigkeit abweicht, gleichen dies die Eltern untereinander aus.

  13. Margret · · Antwort

    Danke für diesen Blogbeitrag, der so ziemlich alles anspricht, was auch ich zum Thema denke. In meinem Umfeld gibt es zwei geschiedene Ehen, die vor der Scheidung nach dem Versorgermodell funktionierten. In beiderseitigem Einverständnis. In beiden Fällen blieben die Kinder bei der Mutter, die auch den Kindesunterhalt (+ geringen Unterhalt aufgrund ehebedingter Nachteile) bekam.

    Ein klarer Fall: Da ein Richter in solchen Fällen gehalten ist, zuallererst das Kindeswohl im Auge zu behalten, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit Sorge tragen, dass sich für die Kinder so wenig wie möglich ändert. Bedeutet, die Mutter war zuvor für die Kinder zuständig und ist ihre wichtigste Bezugsperson. Der Richter wird entsprechend entscheiden. Auch im Falle der Unterhaltszahlungen (für Expartner(in) und Kinder) wird wahrscheinlich eher zugunsten der bisherigen Betreuungsperson entschieden werden ebenso wie in der Frage, wer eventuell in der Familienwohnung verbleiben darf.

    Daran ist nichts ungerecht. Es ist schlicht eine logische Folge des Versorgermodells. Wer das nicht möchte, muss sich eben anders entscheiden und einen großen Teil der Kinderbetreuung bereits in der Ehe mitübernehmen.

  14. Käsestulle · · Antwort

    „vielleicht, weil er oder sie in der Vergangenheit bereit war, die Karriere hinter die Kinderbetreuung zu stellen“

    Das war dann doch die freiwillige Entscheidung eines mündigen Menschen, dem die Konsequenzen hätten klar sein müssen.
    Also ja: selbst schuld, wer seine berufliche Entwicklung vernachlässigt.
    Die Folgen sind bekannt.

    1. Dann ist ja alles in Ordnung! Ungerechtigkeiten kann es also praktisch nirgendwo und gar nicht geben – schließlich ist ja letztlich alles zurückzuführen auf freiwillige Entscheidungen mündiger Menschen.

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